Arbeit statt Schule

Anlässlich des Internationalen Tages der Vereinten Nationen gegen Kinderarbeit am 12. Juni erinnert die EMW gemeinsam mit dem Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) an die prekäre Lebenssituation vieler Kinder in den Ländern der Partnerkirchen. So drohe die Corona-Pandemie, viele Fortschritte der letzten Jahre im Kampf gegen illegale Kinderarbeit zunichtezumachen.

Bildung ist der Schlüssel, um überhaupt eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu bekommen. Schon jetzt ist absehbar, dass vielen Kindern diese Chance durch die Pandemie verwehrt bleibt. © Foto: Michael Thiel/ELM | Bildung ist der Schlüssel, um überhaupt eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu bekommen. Schon jetzt ist absehbar, dass vielen Kindern diese Chance durch die Pandemie verwehrt bleibt.

Beispiel Indien. „Mit dem Ausbruch der Pandemie sind viele Menschen noch tiefer in die Armut gefallen“, weiß Ute Penzel, Referentin ökumenische Zusammenarbeit mit Indien beim Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM). Der informelle Arbeitssektor sei zusammengebrochen und Millionen indische Tagelöhner seit März 2020 aus den Großstädten in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt, ohne Geld und Arbeit, oft zu Fuß zurück aufs Land. Fabriken hörten auf zu produzieren, Baustellen konnten nicht beendet werden. 


„Auf einmal müssen schulpflichtige Kinder ihre Eltern durch Arbeit unterstützen. Das Einkommen oder Gehalt der Eltern ist gesunken oder gar nicht mehr vorhanden. Fachleute befürchten, dass viele Kinder nach der Pandemie nicht wieder in die Schule gehen, sondern weiterarbeiten werden“, so Ute Penzel.


Dabei gab es – wie in vielen Ländern – positive Schritte bei der Bekämpfung von Kinderarbeit. Kinder unter 14 Jahren dürfen in Indien eigentlich nur in Familienbetrieben und auf Bauernhöfen arbeiten. Sie sind auch von gefährlichen Arbeitsplätzen wie Baustellen, Ziegelöfen und Chemiefabriken ausgeschlossen. Dennoch: Seit der Pandemie gibt es, Berichten zufolge, einen wachsenden Markt für Kinderarbeit etwa in der Bau-, Landwirtschafts-, Bekleidungs-, Ziegelöfen- und Feuerwerksindustrie. Kinder müssen im Baugewerbe, im Sand-Abbau und in der Sexarbeit schuften. Laut UNICEF befinden sich in Indien mehr als 10 Millionen Kinder in einer Form von Sklaverei. Der Kinderhandel blüht, weil Kinderhändler sozial schwachen Familien vor allem auf den Dörfern guten Lohn versprechen.

„Die Erfolge für Bildung und gegen Kinderarbeit scheinen durch die Pandemie zunichtegemacht worden zu sein. Die Aussichten, aus der Armut herauszukommen, sind brüchig geworden“, berichtet Ute Penzel und erzählt, dass Lehrer*innen befürchten mit den ersten drei Klassen von vorne beginnen zu müssen, weil die Kinder Schreiben, Lesen und Rechnen vergessen haben werden.

Hier versuchen Missionswerke, wie das ELM, ihre Partnerkirchen dabei zu unterstützen, die Situation von Kindern zu verbessern. Viele von ihnen haben schon vor Ausbruch der Pandemie Projekte gefördert, die die Zukunftsaussichten der Kinder durch Bildung verbessern sollen – ganz im Sinne der Vereinten Nationen, die das Jahr 2021 zum Internationalen Jahr zur Abschaffung der Kinderarbeit erklärt hat, so wie sie es auch in ihren Zielen für eine nachhaltige Entwicklung formuliert haben. Darin fordern sie u.a. das Verbot und die Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, einschließlich der Rekrutierung und des Einsatzes von Kindersoldaten, und bis 2025 Kinderarbeit in all ihren Formen zu beenden. (ELM/CW)

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