Bischof mit Medienmission

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche hat einen neuen Bishof: Dr. Joseph Bali. Eine Woche vor seiner Weihe betonte er gegenüber dem Mittelöstlichen Kirchenrat (MECC): „Ich bin ein wahrhaftes Mitglied der syrisch-orthodoxen Kirche, wenn ich anderen Kirchen gegenüber aufgeschlossen bin.“ Und er will sich weiterhin mit christlichen Medien beschäftigen.

Ende Juni wurde Joseph Bali zum Bischof der Syrisch-Orthodxen Kirche geweiht. © Foto: MECC | Ende Juni wurde Joseph Bali zum Bischof der Syrisch-Orthodxen Kirche geweiht.

Sie dürften einer der jüngsten Bischöfe im Osten sein, wenn nicht sogar der jüngste. Was bedeutet diese Entscheidung für Sie und wie sehen Sie die Zukunft und diese Verantwortung angesichts der drängenden Umstände auf vielen Ebenen?

Diese Frage erinnert mich an die Worte des Heiligen Paulus an seinen Jünger Timotheus: „Lass niemanden deine Jugend verachten.“ (1. Tim. 4,12). Was mir Mut macht ist, dass ich mir voll bewusst bin, dass ich jung und unerfahren bin. Ich muss noch viel an mir arbeiten, um meine Aufgabe angesichts dieser neuen Verantwortung und der wichtigen Position, die der Herr mir durch seine Gnade verliehen hat, zu erfüllen.

Ich mache mich mit einer erneuerten Seele auf den Weg, gestärkt durch den Geist Gottes, im Bewusstsein, dass ich „ein Vorbild sein muss in Rede, Verhalten, Liebe, Geist, Glaube und Reinheit.” (1. Tim. 4,12). Natürlich sind die Bedingungen, die unsere christliche Gemeinschaft durchlebt – ob im Libanon, in Syrien, im Irak oder im Rest der Welt – so schwierig, wie sie diese Region noch nicht erlebt hat. Das legt uns, dem Klerus, eine große Verantwortung auf, allen Kindern der Kirche und den Menschen des Landes ein wahres christliches Zeugnis durch unsere Taten und Worte zu geben, vor allem hinsichtlich unserer Handlungen und Beziehungen untereinander.

Ich blicke in die Zukunft mit der Hoffnung, die uns durch unseren Glauben an Jesus Christus gegeben ist, der von den Toten auferstanden ist und den Tod besiegt hat. Mit dieser Hoffnung werden alle Schwierigkeiten verschwinden, so dass wir gemeinsam – als Glieder des einen Leibes der Kirche – die Hindernisse aus dem Weg räumen können, die die Welt heute vor uns stellt, damit wir wahre Kinder des Lebens und Zeugen Christi im Osten und vom Osten aus in der Welt sein können.

Von der Physik über die Philosophie und Theologie zu den Medien, wie hat sich Ihr wissenschaftlicher und beruflicher Werdegang verändert und warum?

Wer sich für ein Physikstudium entscheidet, sucht nicht nach finanziellen Vorteilen, Ruhm oder dem Erwerb von Reichtum. Eine Person tut dies, weil sie leidenschaftlich über die Wissenschaft, die Logik, Prinzipien der Bewegung und über das, was das Universum ausmacht, nachdenkt. Während meines Physikstudiums stellte ich fest, dass ich immer noch auf der Suche nach „mehr“ war, etwas „Höherem“ als das Irdische in dieser Welt.

Ich beschloss, in philosophische Ideen einzutauchen, insbesondere in die Wissenschaft der Logik, die das Denken verfeinert, hilft Schlussfolgerung zu ziehen und das menschliche Denken ordnet. Die Person, die Philosophie studiert, bewegt sich weg vom oberflächlichen Denken, um tiefer in die Bedeutung der Dinge einzudringen und zu versuchen, die Wahrheit zu erreichen und zu studieren. Während ich Logik und Philosophie studierte, stellte ich fest, dass der Herr mich zu etwas mehr berief. Er wollte, dass ich ihn in der Tiefe der Spiritualität kennenlerne.

In diesem Moment verstand ich, dass ich mich nicht damit zufrieden geben würde, der Kirche als Diakon zu dienen, wie ich es früher getan hatte, sondern dass ich eine völlige Hingabe an den Herrn und den Dienst an seiner Kirche wollte. Ich beschloss, etwas Neues zu tun und mich in einem Leben im Kloster einzubringen, in der Liebe zu Gott und der Suche nach dem Heil der Seele. Mein Leben hat viele verschiedene Phasen durchlaufen, in denen ich viele Erfahrungen gesammelt habe und sie nun in den Dienst der Kinder der Kirche stellen kann.

Was denken Sie über religiöse und kirchliche Medien in den orthodoxen Kirchen heute? Werden Sie Ihr Interesse an der Stärkung und Entwicklung der Rolle der Medien in der Kirche verfolgen, wenn Sie Ihre neue Verantwortung übernehmen?

Die Corona-Pandemie hat alle Kirchen dazu gebracht, Medien und Soziale Medien zu nutzen, um das Wort Gottes unter allen Menschen zu verbreiten. Die kirchlichen Medien waren in der Corona-Zeit sehr aktiv, was die Beziehungen zwischen den Gläubigen gestärkt hat, indem geografische, soziale, nationale Hindernisse und mehr beseitigt wurden.

In meiner Verantwortung als Bischöflicher Mediendirektor in unserem ehrwürdigen Patriarchat werde ich weiterhin meine Pflicht in meiner Kirche wahrnehmen, christliches Medienmaterial nicht nur für die Kinder unserer Syrischen Kirche, sondern für alle Gläubigen bereitzustellen. Ich glaube, dass meine Medienmission wächst und zunimmt. Ich bitte Gott, diesen Dienst zu segnen, damit er fruchtbar wird, um mehr Gläubige für das Haus des Herrn und mehr aktive Mitglieder für die Kirche zu gewinnen.

Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die jungen Menschen bei der Verwurzelung im Osten, gibt es einen bestimmten Plan, um ihre Rolle in der Syrisch-Orthodoxen Kirche zu stärken?

Seine Heiligkeit Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. sagt, dass die Jugend die Gegenwart und die Zukunft der Kirche ist. In der Tat lassen die jungen Menschen das Herz der Kirche schlagen und erneuern ihre Mission. Sie sind die Energie, die wir zum Aufbau nutzen müssen. Sie sind wie Blumen, die eine besondere Pflege brauchen, um immer wieder zu erblühen.

In unserem Syrisch-Orthodoxen Patriarchat arbeitet Seine Gnaden Bischof Anthimos Jack Yacoub, Patriarchalvikar für Jugendangelegenheiten und christliche Bildung, daran, Dienstleistungen für junge Menschen anzubieten, die christliche Bildung und Erziehung beinhalten, die sie durch Treffen, Vorträge und andere Aktivitäten erhalten. Ich fühle mich geehrt, mit ihm zusammenzuarbeiten, um durch unsere Medienabteilung mit all ihren Möglichkeiten Dienste zur Ehre des Herrn und zum Wachstum der Kirche zu leisten. So legen wir gemeinsam ein Zeugnis für die Menschen des Ostens ab, um im Land unserer Väter und Großväter verwurzelt zu bleiben, aber auch um den Reichtum unseres orientalischen Erbes kennenzulernen und ihm verbunden zu werden.

Ebenso bieten wir der christlichen Jugend in der Diaspora die Möglichkeit, Traditionen, Riten, authentische Wurzeln und die Geschichte unserer Kirchen kennen zu lernen, um an ihnen festzuhalten und ihnen sogar zu helfen, in den Gesellschaften zu wachsen, in denen sie leben.

Wird die Botschaft der Stärkung des ökumenischen Geistes in Zukunft zu Ihren Prioritäten gehören? Und wie? Wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit dem Mittelöstlichen Kirchenrat (MECC) aus?

Durch meine Verantwortung als Patriarchalsekretär und bevor ich Bischof wurde, arbeitete ich im ökumenischen Bereich, indem ich ökumenische Treffen arrangierte und organisierte und an vielen von ihnen teilnahm. Ich habe gemerkt, dass das Wichtigste in der ökumenischen Arbeit ist, anderen Kirchen gegenüber offen und ehrlich zu sein, ohne sich für die Identität unserer Kirche zu schämen und ohne die Geschichte unserer Kirche zu vergessen.

Heute ist die Verantwortung größer, und wir gehen auf eine Zukunft zu, die keine Isolation zulässt, sondern Offenheit als notwendigen Faktor für das Überleben erfordert. Nachdem unsere Zahl im Nahen und Mittleren Osten abgenommen hat, ist es notwendig geworden, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und unsere Bemühungen zu vereinheitlichen, indem wir die Vision und das Grundkonzept des christlichen Zeugnisses vereinheitlichen.

Heute sind wir Zeugen einer großen Zusammenarbeit zwischen den Kirchen, und meiner Meinung nach wird sie andauern und sich weiterentwickeln. Was mich betrifft, so bleibe ich bei meiner persönlichen Überzeugung, dass ich ein wahrer Syrisch-Orthodoxer Christ bin, wenn ich anderen Kirchen gegenüber offen bin und mit ihnen in einem ökumenischen Geist zusammenarbeite, indem ich die Worte des Herrn „Damit sie alle eins seien“ (Joh. 17,21) umsetze.

Das Interview führte Huguette Salameh (MECC), Übersetzung Mary Yahchouchy (ins Englische), Matt Barlow (ins Deutsche).

Zu Bischof Dr. Joseph Bali:

Dr. Joseph Bali, der neue Bischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche, hat Physik studiert und anschließend in Philosophie promoviert. Nach dem Mönchsgelübde im Jahr 2008 wurde er 2011 zum Priester geweiht. Im Jahr 2015 ernannte ihn Seine Heiligkeit der Patriarch Mor Ignatius Aphrem II zum Bischöflichen Sekretär und Kommunikationsdirektor der Kirche. Ende Juni wurde er zum Bischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche geweiht.

Zur Syrisch-Orthodoxen Kirche:

In der frühen Kirchengeschichte galten Jerusalem, Antiochien/Damaskus, Alexandrien, Konstantinopel und Rom als Hauptsitz der Christenheit. Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Antiochien, oder anders gesagt: die Rum(=römisch)-Orthodoxe Kirche, bewahrt das Erbe von Byzanz. Von ihm hat sich seit dem 5. Jahrhundert die Familie der Orientalischen Kirchen aus nationalen und politischen Gründen und weil man die göttliche Natur Christi nicht genügend gewürdigt gefunden hat, abgespalten.

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche ist von tiefer Spiritualität (Ikonentradition), Mönch- und Klosterwesen geprägt. Gemeinsam mit der Koptisch-Orthodoxen Kirche hält sie an der Lehrer der „Göttlichen Natur Christi“ („Monophysitismus) fest. Beide Kirchen gelten heute als ein besonderes, indigenes Christentum.

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