Zunehmend unter Druck

In Indien garantiert die Verfassung freie Religionsausübung, doch hindunationalistische Gruppen gehen vermehrt gegen Religionsgemeinschaften und Minderheiten vor. Am Sonntag, 28. Februar, stellt die EKD Indien in den Fokus ihrer jährlichen Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christ*innen.

© Foto: Johny Thonipara

Die indische Verfassung garantiert Menschen, ihre „Religion frei zu bekennen, zu praktizieren und zu propagieren.“ Allerdings geraten religiöse Minderheiten in Indien heute unter den Druck einer hindunationalistischen Bewegung, die ein „Indien den Hindus“ propagiert. Dieser Druck brach sich in Gujarat 2002 in Pogromen gegen Muslim*innen und in Orissa 2008 gegen Christ*innen Bahn. Zudem hat die indische Regierung im September 2020 erneut das Gesetz zur Kontrolle der ausländischen Geldzuweisungen für Nichtregierungsorganisationen verschärft. Das Gesetz soll den Missbrauch von ausländischen Geldern verhindern. „Zunehmend dient es aber auch dazu, regierungskritische Organisationen von Geldflüssen abzuschneiden“, beobachtet Christian Reiser, Direktor der Gossner Mission. Die christlichen Kirchen seien vorsichtig geworden. „Viele gute und wichtige Projekte für die Ärmsten der Armen können zurzeit nicht umgesetzt werden“, erklärt Reiser.

Fürbitte für Glaubensgeschwister

Seit 2010 ruft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag Reminiszere Kirchen und Gemeinden dazu auf, für bedrängte Glaubensgeschwister zu beten und sich auch auf andere Weise für diese einzusetzen. In diesem Jahr steht Indien im Fokus. „Wir sind sehr besorgt angesichts der Bestrebungen radikaler hindunationalistischer Gruppen, Indien zu einem Land zu machen, das Hindus vorbehalten sein soll und die gegen andere Religionsgemeinschaften und Minderheiten massiv vorgehen“, sagt EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. „Unsere christlichen Partner stehen nach wie vor mit ihrem Zeugnis für das friedliche Zusammenleben in einer multi-ethnischen und multireligiösen Gesellschaft ein – umso wichtiger ist es für uns, auf ihre bedrängte Lage aufmerksam zu machen und an ihrer Seite zu stehen“, bekräftigt Bosse-Huber.

Gemeinsam gegen Bedrängnis

In Indien ist christlicher Glauben vor allem in den marginalisierten Bevölkerungsschichten vertreten. So auch in der Partnerkirche des Leipziger Missionswerks, der Tamilische Evangelisch-Lutherischen Kirche (TELC). Deren etwa 120.000 Mitglieder sind zu 80 Prozent kastenlose Dalits. Hans-Georg Tannhäuser, Asien/Pazifik-Referent des Leipziger Missionswerkes sagt: „Es stellt sich mancherorts ein Gefühl ein, der Willkür ausgesetzt zu sein. Öffentliches Eintreten gegen gesellschaftliche Missstände und soziale Ungerechtigkeiten (wie gegen Frauen und Dalits) wird oft als Einmischung in die staatliche Domäne geahndet. Liturgisches Feiern hinter Kirchenmauern wird staatlicherseits hingenommen, aber öffentliches Einmischen oder gar Kritik am Kurs der Regierung ziehen strenge Beobachtung, Reglementierung und Sanktionierung nach sich.“ Ein Gutes habe die derzeitige Situation dennoch, berichteten die indischen Partner: Das ökumenische Miteinander sei enger geworden. „Der nächste Schritt ist, dass Christen und Muslime in Indien gemeinsam gegen die Bedrängnis aktiv werden“, erklärt Ravinder Salooja, Direktor des Leipziger Missionswerkes.

Neben der Gossner Mission, dem Leipziger Missionswerk und der EKD pflegen weitere Mitglieder der Evangelischen Mission Weltweit (EMW) Partnerschaften mit Kirchen und Projekten in Indien: das Zentrum für Mission und Ökumene, das Evangelisch-Lutherische Missionswerk in Niedersachsen, die Evangelische Mission in Solidarität, die Herrnhuter Missionshilfe, Europäische Baptistische Mission international und der Christliche Verein Junger Menschen. Sie unterstützen ihre Partner in Indien bei deren Einsatz für Menschen, die aufgrund ihrer sozialen oder religiösen Situation oder ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt sind. Gesundheitsarbeit, Bildung und Dorfentwicklung sowie die Förderung von Frauen und Mädchen sind Schwerpunkte der gemeinsamen Projekte.

Online-Gottesdienst zum Mitfeiern

Gemeinsam mit dem Lippischen Freundeskreis der Gossner Mission plant die Lippische Landeskirche am Sonntag, 28. Februar, einen Gottesdienst, in dem Landessuperintendent und EMW-Vorstandsvorsitzender Dietmar Arends predigen wird. Der Gottesdienst wird live im Internet übertragen. (MaB/CW)

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