Erklärt: Partnerschaft in einer globalen Kirche

„Partnerschaft“ – ein bekannter und häufig genutzter Begriff in Mission und weltweiter Ökumene. Und doch ist der Begriff nicht unumstritten. Welches Potential dennoch darin steckt, erklärt Anton Knuth, Studienleiter der Missionsakademie in Hamburg.

© Foto: Matt Walsh/unsplash

Der Begriff „Partnerschaft“ wurde nach 1945 zur Neubegründung einer nichtkolonialen, ökumenischen Mission gewählt. Er sollte die Beziehungen zwischen den aus der Missionsbewegung des 19. Jahrhunderts hervorgegangenen „jungen“ und den ehemals sendenden „alten“ Kirchen neu ordnen. Das Partnerschaftsparadigma gewann seine Bedeutung aus der Abgrenzung von einem eurozentrischen Sendungsverständnis von Mission, da aus „Missionsfeldern“ eigenständige Kirchen geworden waren. Allerdings blieb der Begriff immer auch umstritten, da vielfach die Bilder der Geschwisterlichkeit oder Weggemeinschaft vorgezogen wurden und werden.

„Partnerschaft“ erweist sich aber als Oberbegriff weiterhin als unverzichtbar, wenn er auch auslegungsbedürftig ist z. B. durch die biblischen Bilder vom einen Leib Christi (1. Korinther 12), der Abendmahlsgemeinschaft oder dem biblischen Gerechtigkeitsethos. Die Solidarität im Kampf um Befreiung von Kolonialismus, Apartheid, Diktatur und wirtschaftlicher Ausbeutung war von Beginn an zugleich Anti-Rassismus- und Anti-Kolonialismus-Arbeit. Das ökumenische Lernen mit den Partner*innen im globalen Süden beinhaltete auch die Suche von Lebensform-Alternativen bei uns, konnte aber wirtschaftliche Asymmetrien und fortwirkende rassistische Stereotypen nicht ignorieren. Heute kommt der Sensibilität für fortwirkende Formen des Rassismus erhöhte Aktualität zu.

60 Jahre nach dem Ende des Kolonialzeitalters und 30 Jahre nach dem Ende der West-Ost-Konflikt hat sich nicht nur das Christentum in Afrika verändert und charismatisch indigenisiert. Die ethischen Positionen der Partner*innen differieren heute sichtbarer (z. B. bei Fragen der Segnung von queeren Menschen). Gescheiterte Projekte haben zuweilen zur Infragestellung des Projektgeschäfts geführt. Die Professionalisierung von Entwicklungswerken hat ihrerseits das Machtgefälle zwischen Gebenden und Empfangenden entgegen der Forderungen eines „Sharing of Resources“ nicht aufheben können. Zunehmend scheinen staatliche Anforderungen die Geldvergabe zu bestimmen. Die Frage, wer die Agenda bestimmen darf und inwiefern wir trotz bleibender Differenzen wirklich wechselseitig aufeinander angewiesen sind, bleibt aktuell.

Partnerschaft-Engagement auf Gemeindeebene lebt von einem Handeln, das die eigene Selbstwirksamkeit im Kontext der weltweiten Kirche erfahrbar macht. Entgegen einer Ausrichtung auf das Helfen und unreflektierte Ausübung von Macht ermöglichen direkte Kontakte Lernerfahrungen, die durch eine rein monetäre Unterstützung nicht möglich wären. Partnerschaftsarbeit ist nicht denkbar ohne Begegnung – und sei es virtuell. Die christliche Gemeinde konstituiert sich als ein Resonanzraum kulturell und religiös Verschiedener (vgl. Apostelgeschichte 11; Galater 3,28). Zur Begegnung mit den Partner*innen gehören daher auch wechselseitige Fürbitten und gegenseitige Bestärkung im Glauben an die Verheißung Jesu Christi.

Gleichzeitig braucht es eine Verständigung auf gemeinsame Themen zum Beispiel auf der Basis der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die den Rahmen für die konkrete Projektarbeit geben. Partnerschaftsverträge können über die Ebene der Freundschaft hinaus Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit ermöglichen. Eine reine Ausrichtung an Projekten liefe hingegen Gefahr, den Andern nicht als Gewinn zu schätzen, sondern lediglich als Hilfsobjekt zu instrumentalisieren. Partnerschaft lebt von einem lernbereiten Umgang mit den Anderen und zielt auf eine gerecht machende, dem Evangelium entsprechende Lebensweise in interkultureller und interreligiöser Hinsicht.

Anton Knuth ist Studienleiter der Missionsakademie in Hamburg.

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Zum Weiterlesen

Paradigmenwechsel Partnerschaft? Neue Wege gemeinsam gehen. Dokumentation einer Online-Tagung, 8.–10. März 2021. Theologische Impulse der Missionsakademie (TIMA 18)

Theologische Impulse (TIMA)

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