Für eine Kirche, die die Gesellschaft verändert

Er hatte einen Traum: Dr. Byang Kato wollte 1975 die afrikanischen Kirchen vernetzen und unterstützen. Seine Vision fand über seinen Tod hinaus Umsetzung. Aus seiner Idee wurde die Organisation ACTEA. Mit großem Anspruch und viel Leidenschaft widmet sie sich seit fast 50 Jahren dieser großen Aufgabe und schlägt hierbei derzeit ein neues wichtiges Kapitel auf.

ACTEA will die afrikanischen Kirchen vernetzen. © Foto: ACTEA | ACTEA will die afrikanischen Kirchen vernetzen.

Afrika ist nicht EIN Land. Afrika ist viele Länder. Wie viele? Darüber variieren die Angaben – und Sichtweisen. Derzeit sind von den Vereinten Nationen 54 afrikanische Staaten anerkannt. Regionale Gegebenheiten, Landschaft, Religion, Kultur, angesiedelte Ethnien, gesprochene Amts- und Stammessprachen – allein diese 54 Länder offenbaren untereinander große Unterschiede. In Bezug auf die Sprachen spielt meist auch die kolonialistische Vergangenheit eine große Rolle. Viele der Länder haben die einst durch die Kolonialherren eingeführte Sprache als eine der Amtssprachen behalten. So kommt es, dass auf dem afrikanischen Kontinent, je nach historischem Landeskontext, neben anderen Sprachen auch Englisch, Französisch oder Portugiesisch gesprochen wird.

So erstrebenswert die Unterschiedlichkeit der einzelnen Länder auch ist, sie erschwert jedoch die Zusammenarbeit in Bereichen, in denen Unterschiede nicht so groß und eine Zusammenarbeit durchaus sinnvoll und bereichernd wäre – wie beispielsweise im christlich theologischen Austausch. Das erkannte wohl auch Dr. Byang Kato, erster afrikanischer Generalsekretär der Vereinigung der Evangelikalen in Afrika (AEA: Association of Evangelicals in Africa), als er von einer Organisation träumte, die theologische Einrichtungen in Afrika vernetzt und in den Bereichen unterstützt, in denen sie Hilfe benötigen.

Ein Traum, der nicht sterben darf

David Tarus ist Direktor der Vereinigung für christlich-theologische Ausbildung in Afrika (ACTEA). © Foto: Corinna Waltz/EMW  | David Tarus ist Direktor der Vereinigung für christlich-theologische Ausbildung in Afrika (ACTEA).

Sein Traum wurde schließlich 1976 Wirklichkeit. Wenngleich er selbst dies nicht mehr miterleben konnte. Denn Dr. Byang Kato starb kurz nach der Vorstellung seiner Idee. „Wir haben als AEA geschaut, was wir tun können, damit seine Idee nicht mit ihm sterben würde und daraus ist ACTEA entstanden“, erklärt der heutige Geschäftsführende Direktor Pastor David Tarus die damalige Situation während eines Besuchs der Unit Theologische Ausbildung in der EMW-Geschäftsstelle.

Als 1976 ACTEA als ein Dienst der Association of Evangelicals in Africa (AEA) mit Unterstützung der Theological and Christian Education Commission (TCEC) gegründet wurde, stand das Akronym noch für „Accrediting Council for Theological Education in Africa.“ Doch im Laufe der Zeit wurde klar, dass diese Bezeichnung für die Aufgaben, die ACTEA mehr und mehr übernahm, und die große Verantwortung, die daraus entstand, viel zu kurz griff. Und so steht ACTEA heute für „Association for Christian Theological Education in Africa“.

ACTEA hat den Selbstanspruch, dass es theologischen Einrichtungen auf dem gesamten Kontinent Afrika in dreierlei Hinsicht dient: Durch die Förderung einer qualitativ hochwertigen theologischen Ausbildung durch institutionelle Überprüfungen und die akademische Anerkennung, durch die Bereitstellung von institutionellen Unterstützungsdiensten und Foren zum Kapazitätsaufbau für Leitende und Lehrkräfte theologischer Einrichtungen und durch die Erleichterung der Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen theologischen Einrichtungen in Afrika.

Besondere Herausforderungen im frankophonen Afrika

Ein kritischer Blick auf die eigenen Wirkungsregionen offenbarte jedoch, dass ACTEA bisher vor allem englischsprachige Regionen Afrikas erreicht hat. Dabei stünden gerade die Länder des frankophonen Afrikas vor besonderen Herausforderungen, sagt der frühere Direktor für Frieden, Diakonie und Entwicklungsprogramme der Allafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC) in Nairobi, Prof. Dr. Eale Bosela Ekakhol: „Viele können sich durch die allgemeine Situation in den Ländern die hohen Studiengebühren nicht leisten. Diejenigen, die studieren, haben es viel schwerer, zu forschen, da es auf Französisch viel weniger theologisches Material gibt, als etwa auf Englisch oder Deutsch.“ „In manchen Ländern ist die Lage der Christ*innen alarmierend“, ergänzt David Tarus, „in Nigeria, zum Beispiel, verlieren wir beinahe jede Woche einen Pastor durch Entführungen oder auch Tötungen.“ Es gäbe in Afrika Regionen, in denen aus Personalmangel theologisch kaum ausgebildete Laien ganze Gemeinden und Pastor*innen riesige Gemeindegebiete betreuten. Die beiden Theologen begrüßen daher sehr die Möglichkeiten, die die derzeitig in der Umsetzung befindliche Ausweitung des ACTEA-Wirkungsraums auf Länder des frankophonen Afrika schaffen: „Wir brauchen mehr gut ausgebildete Pastor*innen und geistliche Leitungspersonen, damit Afrika seiner zunehmend wichtiger werdenden Rolle in der globalen Christenheit gerecht werden kann.“

Prof. Dr. Eale Bosela © Foto: Corinna Waltz/EMW | Prof. Dr. Eale Bosela

Eale Bosela Ekakhol wird bei dieser Ausweitung eine wichtige Rolle spielen. Denn er wird den neuen zusätzlichen Standort ACTEAs mit frankophonem Schwerpunkt in der Demokratischen Republik Kongo aufbauen und leiten.

Für die beiden Theologen Bosela und Tarus ist dieser neue Zweig ACTEAs mehr als eine schlichte Wirkungserweiterung auf eine weitere Sprache. Es ist vielmehr ein Schritt, die Vision ACTEAs („Für eine lebendige afrikanische Kirche, die die Gesellschaft verändert“) Wirklichkeit werden zu lassen. Sie hoffen darauf, dass die christlichen Kirchen Afrikas aktive, lebendige Kirchen werden, die die Kraft entwickeln nicht nur einzelne Gemeinden, sondern die ganze afrikanische Gesellschaft zu verändern. „Wir wissen, dass das eine große Vision ist, aber wir sind überzeugt, dass ACTEA dazu beiträgt. Vielleicht werden wir die positive Wirkung unseres Dienstes in den verschiedenen Sprachregionen Afrikas zu unseren Lebzeiten noch miterleben – so Gott will.“

Tanja Stünckel


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