Gewalt gegen Mädchen und Frauen beseitigen

Der 25. November gilt seit 1981 inoffiziell und seit 1999 offiziell als Internationaler Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Denn überall auf der Welt erleben Mädchen und Frauen Formen von Gewalt. Das South African Faith and Family Institute (SAFFI) setzt sich mit einem besonderen Ansatz für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Südafrika ein.

Aktionen gegen geschlechtsspezifische Gewalt helfen, auf das Problem hinzuweisen. © Foto: Mika Baumeister/unsplash | Aktionen gegen geschlechtsspezifische Gewalt helfen, auf das Problem hinzuweisen.

Schon im Jahr 1994 erklärte die neu demokratisch gewählte südafrikanische Regierung die Bekämpfung der Gewalt von Männern gegen Frauen zu einer nationalen Priorität. Die Gewalt blieb jedoch ein gesellschaftliches Problem. Wie an vielen anderen Orten auf der Welt haben die gegen Frauen und Mädchen gerichteten Gewalttaten während der Corona-Pandemie in Südafrika sogar noch zugenommen. Betroffene berichten besonders von häuslicher und sexualisierter Gewalt, aus der es während der Lockdowns im Rahmen der Corona-Pandemie kein Entkommen gab. Und auch ohne Pandemie ist es für viele Mädchen und Frauen in Südafrika schwierig, sich körperlichen Übergriffen zu entziehen. Denn es müsste sich an lange tradierten Rollenverständnissen grundsätzlich etwas ändern. An diesem Punkt setzt das South African Faith and Family Institute (SAFFI) an. Seine Vision: Frauen, Männer und Kinder sollen ihr volles Potenzial in einer Gesellschaft entfalten können, die frei von geschlechtsspezifischer Gewalt ist und in der Glaube und Gerechtigkeit gelebt werden.

Glaubensaspekte spielen eine große Rolle

Aber wie kann es gelingen, Mädchen und Frauen nachhaltig vor Gewalt zu schützen? Wie können Mädchen und Frauen in ihrem Selbstverständnis gestärkt werden, damit sie ein selbstbewusstes Leben führen können? Was muss geschehen, damit patriarchale Strukturen in der Gesellschaft überwunden werden, die die Würde der Frauen, Kinder und Männer in Frage stellen?

Dies sind die grundsätzlichen Fragen, mit denen sich die Mitarbeitenden von SAFFI in ihrer täglichen Arbeit auseinandersetzen. Das ökumenische Studien- und Bildungszentrum arbeitet mit vielen Kirchen und Glaubensgemeinschaften zusammen und bietet Seminare und Workshops zu den Fragen geschlechterbasierter Gewalt und ihrer Überwindung an. „In unsere Arbeit schließen wir bewusst Probleme Menschen aller Geschlechter mit ein und betrachten zudem auch Aspekte von Moral und Glauben mit, weil dies bei vielen anderen Programmen gar nicht vorkommt. Wir haben aber festgestellt, dass gerade auch Glaubensaspekte für Betroffene von Gewalt sowie Ausübende von Gewalt, etwa in der Ehe, eine große Rolle spielen“, erklärt SAFFI-Direktorin Elisabeth Peterson.

Religiös geprägt und gewaltätig zugleich

Gewalttätige Übergriffe auf Frauen und Mädchen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des häuslichen Umfelds, waren in Südafrika schon vor der Pandemie keine Seltenheit. Südafrikanische Frauen leben in einer Gesellschaft, die zugleich zu den am meisten religiös geprägten und zu den gewalttätigsten Gesellschaften der Welt zählt. Eine von vier Frauen erlebt Studien nach Missbrauch in der Partnerschaft. Um auf diese Situation zu reagieren, entstand bereits 2008 das South African Faith and Family Institute, was übersetzt etwa Südafrikanisches Institut für Glaube und Familie heißt. Denn der Glaube kann ein Schlüsselmoment sein, um den Menschen, von Gewalt Betroffenen und Gewaltausübenden gleichermaßen, in einem sicheren gewohnten Umfeld begegnen zu können. Laut Bevölkerungsstatistik gehören 90 Prozent der Südamerikaner*innen einer Glaubensgemeinschaft an. Daher gehören zur Zielgruppe der Seminare besonders auch religiöse Führungspersönlichkeiten und Leiter*innen von diakonischen und sozialen Einrichtungen. So können Kirchen und Glaubensgemeinschaften zu Agent*innen des Wandels werden, denn sie erreichen große Teile der Bevölkerung Südafrikas und können in der Zusammenarbeit mit SAFFI einen wichtigen Beitrag zum Bewusstseinswandel in der südafrikanischen Gesellschaft beitragen.

Religion als befreiende Ressource

„Bei SAFFI gehen wir davon aus, dass Religion eine wichtige befreiende Ressource ist, obwohl sie geschlechterbasierten Formen von Gewalt auch einen Nährboden bereitet“, meint Peterson und führt den Ansatz von Saffi weiter aus: „Miteinander zu sprechen, einander zuzuhören und gemeinsam zu lernen – das prägt unsere Arbeitsweise. Darüber hinaus erarbeiten wir Informationsmaterialien, die das Ausmaß sexualisierter Gewalt in all ihren Formen beschreiben und für ein gewaltfreies und faires Zusammenleben von Frauen und Männer werben“. Die Nichtregierungsorganisation SAFFI, deren Arbeit unter anderem von der Evangelischen Mission Weltweit (EMW) gefördert wird, nimmt durch ihr Engagement in der südafrikanischen Gesellschaft eine besondere Rolle ein. Denn jeden Tag aufs Neue, setzt SAFFI der eskalierenden Gewalt, die Präsident Cyril Ramaphosa zur zweiten Pandemie neben Covid-19 erklärte, Hoffung und einen Weg zur Veränderung entgegen.

Tanja Stünckel


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