Glaube und Wissenschaft

Schließen sich afrikanische Traditionen, Glaube und medizinischer Fortschritt aus? Eine Konferenz der Allafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC) mit über 100 Teilnehmenden beschäftigte sich Ende März mit Fragen wie dieser rund um die Corona-Pandemie. In einem abschließenden Statement ruft die Kirchenkonferenz ihre Gemeinden dazu auf, die medizinischen Möglichkeiten als Geschenk Gottes anzusehen und ihre Mitglieder zum Impfen zu ermutigen.

© Foto: Sanofi Pasteur/flickr

Seit dem Ausbruch der weltweiten Covid-19-Pandemie hat sich die Allafrikanische Kirchenkonferenz (AACC) intensiv mit den Auswirkungen und der Reaktion darauf beschäftigt. Dazu hat sie im März vergangenen Jahres zehn theologische Thesen erarbeitet, die in einem Kreis von über 50 Vertreter*innen ihrer Mitgliedsorganisation, von theologischen Universitäten und aus der Ökumene intensiv diskutiert und danach als gemeinsame Erklärung verabschiedet wurden. Darin wendet sich die AACC gegen Verschwörungstheorien und unwissenschaftliche Mythen zum Entstehen, dem Verlauf und der Heilung einer Covid-19-Erkrankung. Die zehn Thesen sind eine theologische Antwort auf die Pandemie und haben weltweit ein großes Echo hervorgerufen. Früher als andere ökumenische Organisationen hat die AACC die Stimme der Vernunft und des Glaubens erhoben, um den Gemeinden einen Leitfaden an die Hand zu geben, sich dieser geistlichen Herausforderung zu stellen. Die Thesen wollen aber auch über die Kirchen hinaus eine geistliche Orientierung geben, die in die Gesellschaft hineinwirkt.

Ende März hat die AACC nun Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen von theologischen Universitäten aber auch aus der muslimischen Gemeinschaft zu einer Konferenz zum Thema „Covid-19-Pandemie: Glaube und Wissenschaft im Gespräch“ eingeladen. Diese zweitägige Konferenz wurde mit einer Schweigeminute und einem Grußwort des Generalsekretärs der AACC, Dr. Fidon Mwombeki, eröffnet. Im Anschluss berichteten Mediziner*innen, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die weltweite Impfaktion COVAX in Afrika arbeiten, über die Situation vor Ort, die Notwenigkeit von Schutzmaßnahmen sowie die anlaufende Impfkampagne.

Medizinischer Fortschritt – ein Geschenk Gottes

Als Reaktion auf diese Ausführungen hoben Dr. Simangaliso Kumalo, Professor für Theologie an der Universität von Pietermaritzburg, und Prof. Mohamed Karama, stellvertretender Vizepräsident der Umma-Universität in Nairobi, die wichtige Rolle der Religionsgemeinschaften bei der Aufklärung und Unterstützung im Kampf gegen die Pandemie hervor. In den Diskussionen und Gruppengesprächen tauschten sich die über 100 Teilnehmenden anschließend über folgende Fragen aus: „Wo ist Gott inmitten der Corona-Pandemie? Entspricht die Wissenschaft Gottes Willen? Wie zeigt sich in den wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischen Möglichkeiten Gottes Wille, Krankheiten zu heilen und menschliches Leiden zu lindern? Bewirkt Gott durch die Impfungen unsere Gesundung?“
Anhand dieser Fragen zeigte sich, welch breites Spektrum die AACC unter ihren Mitgliedern abdeckt, von den Mainline-Kirchen, die sich durchaus der historisch-kritischen Bibelexegese öffnen, bis zu den charismatisch-pentekostalen Kirchen, die der Wissenschaft und den Impfkampagnen kritisch gegenüberstehen und auf die Wirkung des Heiligen Geiste vertrauen. In seinem Beitrag plädierte der südafrikanische Theologe Simangaliso Kumalo dafür, den medizinischen Fortschritt und die afrikanischen Traditionen mit Blick auf die Heilung und die soziale Einbindung von Kranken in der Gemeinschaft zu verbinden. Spiritualität und medizinische Möglichkeiten müssten einander nicht ausschließen.

Zum Ende der zweitägigen Konferenz verabschiedeten die Teilnehmenden ein Statement, dass die Ergebnisse des Austauschs widerspiegelt und die afrikanischen Kirchen und Gemeinden dazu aufruft, den medizinischen Fortschritt als ein Geschenk Gottes zu sehen.

Die AACC plant weitere Veranstaltungen dieser Art, um ihrem Auftrag gerecht zu werden, als Sprachrohr der Christ*innen in Afrika zu wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen Stellung zu beziehen und sich an Lösungswegen zu beteiligen. Dabei arbeitet sie eng mit staatlichen und religiösen Akteuren, wie der Afrikanischen Union und dem „All Africa Council of Religious Leaders – Religions for Peace“ zusammen. (no)


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