75 Jahre universale Menschenrechte

Der Tag der Menschenrechte wird jedes Jahr am 10. Dezember gefeiert. Dieser Tag wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 1948 ins Leben gerufen, um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu feiern und die Bedeutung der Menschenrechte auf der ganzen Welt zu betonen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist ein Dokument, das von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde und die grundlegenden Rechte und Freiheiten jedes Menschen auf der Welt definiert. Es umfasst das Recht auf Leben und Freiheit, das Recht auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung, das Recht auf Bildung, das Recht auf Arbeit und viele andere. Jochen Motte, Leiter der Abteilung Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), erzählt im Interview, warum die Menschenrechte ein zentrales Element seiner Arbeit sind.

Der internationale Tag der Menschenrechte ist der 10. Dezember © Foto: Markus Spiske/unsplash | Der internationale Tag der Menschenrechte ist der 10. Dezember

Die Themen Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind in der VEM zentral. Wie kommt eine kirchliche Organisation dazu, sich den Menschenrechten so vollinhaltlich zu widmen?

Das war Teil eines Prozesses vor 30 Jahren bei der Internationalisierung der VEM, bei der Menschen aus Afrika, Asien und Deutschland sich gefragt und geeinigt haben, was sie gemeinsam als Mission verstehen. Daraus ist ein ganzheitliches Missionsverständnis hervorgegangen, das in der VEM auch in der Satzung steht. Mission ist nicht nur Evangelisation, sondern es ist auch Diakonie. Es ist Partnerschaft, Tätigkeit, es ist Entwicklung und es ist gemeinsames Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. In einer zerrissenen Welt treten wir mit unseren Mitgliedern gemeinsam dafür ein.

Das Anliegen haben wir nicht in Wuppertal entwickelt, sondern es ist ein Kernanliegen der Mitglieder in Afrika, Asien und Europa selber, die ganz klar sagen: Mission ist nicht die Evangelisation von Menschen, sondern ist ein umfassendes Sein. Als Kinder Jesu Christi stehen wir denen zur Seite, die ausgegrenzt sind.

Jochen Motte Er ist stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und Leiter des Programms für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. © Foto: Lara Diederich/VEM | Jochen Motte Er ist stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und Leiter des Programms für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Was ist das Besondere an den universalen Menschenrechten?

1948, genau vor 75 Jahren, wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen verabschiedet. Solche universellen Rechte gab es in der Menschengeschichte bis dato nicht. Der Hintergrund dessen war die globale Katastrophe des Weltkrieges mit 60 Millionen Toten, der Genozid an knapp 6 Millionen Jüd*innen und an anderen Minderheiten.

Warum ist das Thema für Kirchen so wichtig?

Auch in der Bibel lesen wir vom Volk Israel, das unterdrückt wurde und von Gott aus der Sklaverei in das gelobte Land geführt wurde. Die zehn Gebote und andere biblische Gesetzestexte, schützen die Freiheit – sie schützen besonders diejenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen – Witwen, Waisen, Fremdlinge und Arme (Sacharja 7,9).

Die Kirchen standen nicht immer für Menschenrechte. Wir feiern in diesem Jahr auch die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948, in dem die Vereinten Nationen universale Menschenrechte beschlossen haben. Der Weltkirchenrat hat sich seit 1948 nachdrücklich für Menschenrechte und Opfer von Menschenrechtsverletzungen engagiert. Leider gibt es aber auch bis heute Kirchen, die die Geltung von universalen Menschenrechten für alle Menschen in Frage stellen.

Nach einer ökumenischen Tagung des Weltkirchenrates mit der Ev. Kirche in Deutschland und der VEM 2022 zu Menschenrechten und Menschenwürde, hat die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im September 2022 die Empfehlungen aufgenommen und das Bekenntnis zu universalen Menschenrechten wie auch die Zusage des Engagements aus christlicher Sicht nach vielen Jahren erneut klar bekräftigt. Dies geschah auch weil viele sich aktiv an den ÖRK wenden und sagen „Unterstützt uns!“

Angesichts der heutigen globalen Situation, in der Menschenrechte und ihre universale Geltung stärker als in den letzten Jahrzehnten in Frage gestellt werden, ist das Bekenntnis der Kirchen im Ökumenischen Rat aus Karlsruhe ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Menschen, deren Rechte gebrochen werden und Würde verletzt wird.

Das Interview führte Freddy Dutz. Es ist ein Auszug aus dem EMW-Podcast „Zeit für Mission“.

Hören Sie das gesamte Gespräch im EMW-Podcast „Zeit für Mission“.


Mehr Infos zum Thema Menschenrechtsarbeit der VEM

„30 Jahre für Menschenrechte“ steht auf der VEM-Website zum kostenlosen Download bereit. © Foto: VEM | „30 Jahre für Menschenrechte“ steht auf der VEM-Website zum kostenlosen Download bereit.

30 Jahre Menschenrechtsarbeit in Afrika, Asien und Europa

Die Veröffentlichung vom 10.12.2023 heißt „30 Jahre für Menschenrechte. Gemeinsam eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. Autor des Buches ist Dr. Jochen Motte, der die Abteilung „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ seit ihrer Gründung 1993 leitet und darüber hinaus stellvertretender Generalsekretär der VEM ist. Auf 48 Seiten gibt die Publikation einen historischen Rundumblick über drei Jahrzehnte missionarischer Kernanliegen der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) einer Gemeinschaft aus Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland. Vorgestellt wird beispielsweise die Advocacy-Arbeit für die Opfer von Krieg, Gewalt und schweren Menschenrechtsverletzungen in den Ländern der Kirchengemeinschaft wie Ruanda, Westpapua oder Sri Lanka.

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