Kommunikation für soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter

Im digitalen Zeitalter wird die Zugangsmöglichkeit zu den digitalen Medien und Plattformen zu einer Gerechtigkeitsfrage und zugleich ist digitale Kommunikation das Medium, um sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Welche Aufgaben ergeben sich daraus für Organisationen der Zivilgesellschaft, und besonders für Kirchen? Vom 13. bis 15. September 2021 haben der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und die World Association for Christian Communication (WACC) diese und weitere drängende Fragen auf einem digitalen Symposium diskutiert.

© Foto: Ökumenischer Rat der Kirchen / Albin Hillert

An der Vorbereitung und Durchführung waren der Christliche Studierenden Weltbund (World Student Christian Federation, WSCF) Europe Region, die Evangelische Mission Weltweit (EMW) und Brot für die Welt beteiligt. Die WACC arbeitet international, ist ökumenisch vernetzt und setzt sich u.a. dafür ein, dass Kommunikationsrechte für Individuen und soziale Gemeinschaften etabliert und eingehalten werden.

150 Teilnehmende aus Regionen der Welt haben sich in die Konferenz per Video und Chat eingebracht oder die Streams verfolgt. Eine hybride digitale Konferenz in den Räumen von Brot für die Welt mit Teilnehmenden aus den unterschiedlichen Regionen der Welt und damit aus unterschiedlichen Zeitzonen zu organisieren, war eine große Herausforderung, die dank der professionellen Arbeit von WACC und ÖRK gut gemeistert wurde. Im Vorfeld waren Einladungen an Partnerorganisation erfolgt, in denen um Beiträge zu gelungenen Praxisbeispielen gebeten wurde. Darüber hinaus fanden regionale Treffen im Vorfeld statt, um das Symposium vorzubereiten.

Drei Tage lang diskutierten die Teilnehmenden auf unterschiedlichen digitalen Kanälen über Fragen der sozialen Gerechtigkeit in einem digitalen Zeitalter. Die Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien mit vielfältigen Aspekten, der Schutz der Rechte einzelner, die Gefahren des Missbrauchs sowie die Einflussnahme durch multinationale Akteure und totalitäre Regime bestimmten die Diskussionen. Fragen nach der Bedeutung des öffentlichen Raumes für Gesellschaften und seiner Gestaltung durch Akteure der Zivilgesellschaft wurden in anregenden Beiträgen aufgegriffen. Die Bedeutung von Bildungsprogrammen für die Nutzung digitaler Medien als eine Dimension demokratischer Kultur wurde immer wieder betont. Das Programm, die Liste der Beitragenden sowie die Videos der Einheiten können auf der Website des ÖRK abgerufen werden.

Es zeigte sich, dass es in diesen Fragen hohe Erwartungen an das Engagement der Kirchen gibt, besonders wenn es um Werte und das Einhalten ethischer Standards geht. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es auch im Raum der Kirchen hohe Erwartungen und einen hohen Anspruch an professionelle Expertise in Fragen digitaler Kommunikation gibt. Ein Ergebnis des Symposiums ist die Erwartung, dass der ökumenische Diskurs im Blick auf eine digitale Ethik dringend etabliert und gepflegt werden muss.

Eine Fülle unterschiedlicher Methoden in der Gestaltung eines Symposiums dieser Art war im Laufe der drei Tage zu erleben. Neben Grundsatzreden und Videobotschaften gab es auch zahlreiche Berichte aus der Arbeit in den Regionen der Welt und den spezifischen Heraus-forderungen. Teilnehmende konnten sich im Chat oder den Breakoutgroups mit weltweiter Beteiligung einbringen, diskutieren und konkrete Voten unterstreichen, bzw. hinterfragen. Zusätzlich wurden Cartoons und Best-Praxis-Beispiele vorgestellt, die die Bandbreite der Arbeit deutlich machten.

Im Rahmen eines Presseclubs am Montagabend gab es einen hoch interessanten Austausch über das Engagement sozialer Bewegungen, die Möglichkeiten digitaler Kommunikation und die Gefährdungen für Journalist*innen. Ein digitales meet-and-greet am Dienstagabend, vorbereitet durch die WSCF Europe machte deutlich, in welchem Maße digitale Formen für die junge Generation Standard geworden sind.

Das Symposium schloss mit einem Manifest, dass die Ergebnisse der Konferenz auch im Blick auf politische Forderungen und weitere praktische Schritte zusammenfasste. Mit diesem Manifest planen WACC und ÖRK diese wichtigen Aspekte von Kommunikation im digitalen Zeitalter auf der Vollversammlung des ÖRK im September 2021 in Karlsruhe einzubringen. Es besteht die begründete Hoffnung, dass auch die Delegierten der Vollversammlung die Fragen der sozialen Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter in Karlsruhe diskutieren werden, ihre Erfahrungen einbringen und sich engagiert für soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter einbringen.

Michael Biehl und Rainer Kiefer

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