Kritik an pauschalen Abwehrreflexen

Kein allgemeines „China-Bashing“, sondern Respekt und Dialog – so die Erkenntnisse einer Tagung zu Perspektiven der Entwicklungszusammenarbeit zwischen China und Afrika aus Sicht von Zivilgesellschaft und Kirchen vom 27.-29.10.2021 an der Missionsakademie in Hamburg.

Drei Referenten der hybriden Tagung zu China und Afrika: Fidon Mwombeki, Dietrich Werner und Christoph Stückelberger (v.l.) © Foto: Anton Knuth/Missionsakademie | Drei Referenten der hybriden Tagung zu China und Afrika: Fidon Mwombeki, Dietrich Werner und Christoph Stückelberger (v.l.)

Viele afrikanische Staaten verbindet eine Geschichte der Solidarität mit China, unterstrich Fidon Mwombeki, der Generalsekretär des Allafrikanischen Kirchenrates aus Nairobi. Er erinnerte an die Freundschaft etwa Julius Nyereres mit Mao in den 1960er Jahren und die Unterstützung Chinas im Kampf gegen die Apartheid und kritisierte einen pauschalen Abwehrreflex. Während etwa Frankreichs neokoloniales Auftreten in Westafrika oder Ausbeutung durch kanadische Bergbauriesen beredt verschwiegen werden, empöre sich der Westen über Chinas Seidenstraßeninitiative. Aber glaube Europa wirklich, dass Afrika vor China beschützt werden müsse und nicht selbst entscheiden könne? Oder geht es in Wahrheit um die Sicherung des eigenen Einflusses? China könne Afrika helfen, einseitige Abhängigkeiten zu überwinden, sofern die Investitionen helfen, einheimische Produktionskapazitäten aufzubauen.

Wirtschaftsbeziehungen, die lediglich auf dem Export von Rohstoffen basierten, haben zu lange schon existiert. Christian Straube von der Stiftung Asienhaus hatte eingangs aufgezeigt, in welchem Ausmaß China in den Ausbau von Eisenbahnen, Straßen, Staudämmen und Fertigungsindustrien investiert. Chinas Wirtschaft sei nicht länger isoliert, sondern durch die eigenen Staatsunternehmen zum Hauptmotor von Infrastrukturinvestitionen in Afrika geworden. Er präsentierte Richtlinien für eine gerechte Form der Kooperation, in deren Zentrum die Menschen selbst stehen müssten.

Neben den lobenswerten Potentialen gibt es auch ausbeuterische Verträge oder zu geringe Nachhaltigkeit von Projekten. Diese sind aber vor allem in der schwachen Position vieler afrikanischer Regierungen begründet, die unfähig sind, Recht zu sichern und die Interessen der eignen Bevölkerung ausreichend zu vertreten. Ein Problem ist auch die hohe Verschuldung vieler Staaten, die bereits höher verschuldet sind als zu Beginn der Entschuldungskampagne am Anfang dieses Jahrhunderts. Wie aber können Afrikas Regierungssysteme so weiterentwickelt werden, dass sie auf die eigenen Gegebenheiten zugeschnitten sind und effektiver und nachhaltiger werden, fragte Mwombeki. Die Kirchen müssten den betroffenen Menschen eine Stimme geben, denn Afrika müsse die Kriterien für seine eigene Entwicklung besser definieren, mahnte Kenneth Mtata aus Simbabwe.

Die christlich gegründete Entwicklungshilfestiftung Amity aus China ist bereits in Afrika präsent und möchte von anderen Erfahrungen interkulturellen Lernens profitieren und sich verstärkt einbringen. Isabel Friemann von der China-Infostelle bedauerte, dass es zu wenig positive Beziehungen zwischen chinesischen Akteuren und Menschen vor Ort gibt. Das könne eine Kultur des Misstrauens begünstigen. Vertrauen, Respekt und Verständnis füreinander aufzubauen, sei aber zentral. Dabei könnten Begegnungen helfen, die bei Projekten, aber auch durch gemeinsame Feste vertieft und etwa zwischen dem afrikanischen Kirchenrat und dem chinesischen Christenrat initiiert werden könnten.

Christoph Stückelberger von Globalethics.net warnte vor einem neuen kalten Krieg und warb für die Aufnahme vertrauensvoller Beziehungen. China wird zunehmend als Konkurrent zum Westen auf der Weltbühne wahrgenommen. „Mit wem ich aber befreundet bin, den bekämpfe ich nicht.“ Er rief dazu auf, voneinander zu lernen und die alten Überlegenheitsreflexe zugunsten von gegenseitigem Respekt und Empathie hinter sich zu lassen. Kooperation basiere auf Dialog und Verständnis füreinander. So müsse Afrika seine eigenen Ressourcen stärker entdecken und beispielsweise Solarzellen vor Ort herstellen, anstatt sie zu importieren.

Gemeinsame Stipendienprogramme könnten helfen, die diakonischen Kapazitäten von jungen Menschen aus China, Afrika und Europa in interkultureller Hinsicht zu vertiefen. Entwicklungswerke und Kirchen könnten Best Practice Modelle austauschen und als Brückenbauer tätig werden, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Dafür brauche es geschützte Räume, um sich anzunähern. Dietrich Werner, Referent für Theologische Grundsatzfragen bei Brot für die Welt, betonte das auf Werten und Menschenrechten basierte Entwicklungs- und Diakonieverständnis. Er plädierte dafür, vorhandene Spielräume zugunsten der Menschen zu nutzen und brachte den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ins Gespräch. Die stellvertretende Generalsekretärin des ÖRK, Isabel Apawo Phiri, betonte, dass das Thema China in Afrika kontrovers diskutiert würde, weil es eine Wirtschaft für das Leben, nicht auf Kosten der Lebensgrundlagen brauche.

In einer Sache waren sich aber alle Teilnehmenden einig: Es kommt darauf an, die Menschen vor Ort zu stärken und die afrikanische Autonomie und Handlungsmacht in den Mittelpunkt aller Entwicklungsmodelle zu stellen, damit die globale UN-Entwicklungsziele erreicht werden können. Dazu braucht es eine transformative Partnerschaft unter Einbeziehung von Zivilgesellschaft und Kirche nicht gegen, sondern mit China.

Anton Knuth ist Studienleiter an der Missionsakademie der Universität Hamburg.

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