Lese-Tipp: „Ich bin noch nie einem Juden begegnet…“

„Ich bin noch nie einem Juden begegnet…“ ist ein Buch voller aktueller jüdischer Lebensgeschichten von Gerhard Haase-Hindenberg, das den Leser*innen das zeitgenössische jüdische Leben in all seiner Vielseitigkeit zeigen will. Matt Barlow hat es für uns gelesen.

Gerhard Haase-Hindenberg: „Ich bin noch nie einem Juden begegnet…“ – Lebensgeschichten aus Deutschland, Edition Körber, ISBN: 978-3-89684-290-9 Gerhard Haase-Hindenberg: „Ich bin noch nie einem Juden begegnet…“ – Lebensgeschichten aus Deutschland, Edition Körber, ISBN: 978-3-89684-290-9

Schon der Titel dieses Buches macht die Leser*innen mit dem Unsinn vertraut, den jüdische Menschen in Deutschland heute erleben. „Ich bin noch nie einem Juden begegnet?“ Woher soll man das wissen? Dennoch ist es ein Satz, den viele der Personen in Gerhard Haase-Hindenbergs Buch gehört haben, als jemand herausfand, dass sie jüdisch sind. Und er zeigt, wie viele Deutsche jüdische Menschen immer noch als etwas „Exotisches“ ansehen.

Dieser Vorstellung will Haase-Hindenberg mit einer Reihe persönlicher Geschichten von jüdischen Menschen, die in Deutschland leben, begegnen. Denn „Das Geschichtenerzählen ist Teil der jüdischen DNA“, wie Literaturprofessorin Peninnah Schram sagt, die eine der Hauptpersonen dieser Geschichten ist. Das Buch ist in verschiedene Kategorien unterteilt, von der zweiten Generation nach der Shoah bis hin zu neuen Einwandernden aus der ehemaligen Sowjetunion und anderen Teilen der Welt, sowie der Rückkehr der jüdischen Kultur und Innovation nach Deutschland nach dem Trauma der Shoah.

Indem er diese persönlichen Geschichten erzählt, zeigt Haase-Hindenberg ein breites Spektrum an Geschichten, Leben und Überzeugungen. Von einem orthodoxen Juden, der als Arzt bei der Bundeswehr arbeitet, bis zu einem säkularen Juden, der in anthroposophischen Schulen tätig ist. Von Familien, die durch Scheidung und Trauma gespalten sind, bis hin zu glücklichen jüdischen LGBTQ-Familien. Von den großen Städten bis hin zu Menschen, die davon überzeugt sind, dass jüdisches Leben in die Provinz zurückkehren kann, wo es einst blühte.

Dieses Buch scheut sich auch nicht, sich mit dem wachsenden Antisemitismus in Deutschland auseinanderzusetzen, obwohl das nicht das Hauptthema ist. Die Auseinandersetzung mit dieser beunruhigenden Entwicklung findet statt in der wunderbaren Sammlung von Geschichten und lebendiger Tradition in all ihrer Widersprüchlichkeit und chaotischen Schönheit.

Matt Barlow

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