Lese-Tipp: Afrika ist kein Land

„Wir möchten Grenzen überschreiten, Verantwortung übernehmen, Freiheit spüren, staunen, leiden und lachen. Die Welt ist ein freundlicher Ort.“ Dieser programmatische Anspruch des Göttinger Verlags „Reisedepeschen“ findet sich in der Überschrift seiner Homepage, aber auch in dem dort erschienenen Buch „Afrika ist kein Land“ von Jennifer McCann wieder. Beate Heßler hat das Buch für uns gelesen.

Jennifer McCann: Afrika ist kein Land. Reisedepeschen Verlag. ISBN: 978-3-96348-014-0 Jennifer McCann: Afrika ist kein Land. Reisedepeschen Verlag. ISBN: 978-3-96348-014-0

Seit ihren ersten Afrika-Erfahrungen im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres in Tansania bringt Jennifer McCann ihre Beobachtungen aus verschiedenen afrikanischen Ländern zu Papier. In dem vorliegenden Band mit Reisegeschichten sind Berichte aus Uganda und Kenia, aus Angola, Tansania, Simbabwe, Ruanda, Gabun, Malawi, Mosambik und Madagaskar enthalten.

Die meisten Reisen sind touristisch motiviert und führen zu landschaftlich beeindruckenden Orten und Naturschauplätzen. Dabei nutzt McCann konsequent den örtlichen Nah- und Fernverkehr, Züge, Minibusse und Mototaxis. Mitunter ist die junge Autorin allein, oftmals auch zu Fuß unterwegs. Ihre Begegnungen mit Menschen und Kulturen sind entsprechend direkt. Gerne liest man, wie sich Wartezeiten auf einem regionalen Bahnhof in Madagaskar gestalten, welche Abhängigkeitsverhältnisse es zwischen Rucksack-Wandernden und örtlichen Trägern am Kilimandscharo gibt und warum es gefährlich werden kann, am Strand des Loango-Nationalparks in Gabun zu spazieren. Die Geschichten spiegeln Momenterfahrungen, Gespräche und Landschaftseindrücke, enthalten aber auch immer eine kritische Auseinandersetzung mit dem Clash der Kulturen.

So reflektiert die hauptberufliche Lehrerin und Autorin aus Hannover während ihrer Reisen die historischen und kolonialen Hintergründe der jeweiligen Region, aber auch ihre eigene Rolle als Freiwillige in Austauschprogrammen und als Bezugsperson für neue Freundinnen etwa aus Kimara in der tansanischen Hauptstadt Daressalam. An anderer Stelle wird der Gefechtslärm im Grenzgebiet von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo zum Mittelpunkt eines Berichts, der eigentlich von der Schönheit des Virunga-Nationalparks erzählen sollte – aber die Realität des Bürgerkriegs ist allgegenwärtig.

Das Buch „Afrika ist kein Land“ ist ein Appell zur differenzierten Wahrnehmung von vermeintlichen Stereotypen. Es ist bestens geeignet als Geschenk für ehrenamtlich Mitarbeitende in kirchlichen Partnerschaften, die manche der beschriebenen Erfahrungen kennen werden. Genauso gut kann das Buch aber auch eingesetzt werden, um junge Freiwillige auf die Zeit im Ausland vorzubereiteten. Und denjenigen, die sich in Zeiten von Corona und eingeschränkten Kontakt- und Reisemöglichkeiten zumindest beim Lesen an ferne Strände und in afrikanische Landschaften begeben möchten, wird das Motto des Verlags Reisedepeschen begegnen: „Die Welt ist ein freundlicher Ort“.

Beate Heßler

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