Lese-Tipp: Blindflug

Meine Zeit als Missionar im Kongo – In seinem Buch erzählt Bernward Mankau die Geschichte seiner Mission im Kongo Anfang der 1970er Jahre. Marco Moerschbacher hat das Buch für uns gelesen.

Bernward Mankau: Blindflug. Meine Zeit als Missionar im Kongo, Herder Verlag, Freiburg 2020 Bernward Mankau: Blindflug. Meine Zeit als Missionar im Kongo, Herder Verlag, Freiburg 2020

Geschrieben wurde dieses Buch „nach Sonnenuntergang, drei Grad südlich vom Äquator …, neben einer stinkenden und zischenden Petroleumlampe vor dem feinen Drahtgeflecht meines Fensters, das Mücken, fliegende Ameisen und Kakerlaken abhalten soll“, wie der Autor schreibt, und zwar schon Anfang der 1970er Jahre im Kongo. Dort war Bernward Mankau (Jahrgang 1937) als Priester, Angehöriger des Steyler Missionsordens und Sekretär des Bischofs von Kenge seit 1964 im Einsatz, also kurz nach der Unabhängigkeit des Landes. Dieses Buch erzählt die Geschichte seiner Mission, die er 1971 nach sieben Jahren aus Mangel an innerer Überzeugung über das Wirken der Kirche im Kongo beendete.

Der „Père Pilote“ – so sein Spitzname – hatte zuvor einen Flugschein gemacht, denn im Bistum Kenge im Bandundu war das Flugzeug häufig das einzig mögliche Transportmittel. Mankau transportierte Bargeld, mit dem die Lehrerinnen und Lehrer bezahlt wurden und flog Ordensschwestern zu ihren Einsatzorten – oft war das Flugzeug die einzige Rettung, wenn Menschen schnell ins Krankenhaus gebracht werden mussten.

Der Autor genießt das Abenteuer, schlägt sich beim Fliegen mit einer Landkarte aus der Kolonialzeit auf den Knien durch Wolken und Unwetter, orientiert sich an den Flüssen und verpasst auch schon mal eine im „Busch“ versteckte Landepiste. Er ärgert sich über die allgegenwärtige Korruption und die Bereicherung der Eliten auf Kosten der im Elend lebenden Bevölkerung. Das Land wird von Diktator Mobutu geknechtet. Die Kirche opponiert nicht. Sie arrangiert sich mit dem Regime und macht sich aus Sicht des Priesters mitschuldig, wenn sie aus materiellem Interesse zu Unrecht und Ausbeutung schweigt.

Eindringlich wird das Leben des Missionars geschildert – mit einigen Angestellten allein auf einer Station im afrikanischen „Busch“. Kleine Szenen bleiben im Gedächtnis: wie der Autor auf einer traditionellen Beerdigung für den Verstorbenen Palmwein ausgießt und ihm eine gute Reise wünscht – damit aber bei „christlichen“ Kollegen aneckt; oder wie er in einer Missionsstation der Baptisten den Missionar um die Selbstverständlichkeit seines Familienlebens beneidet; ein andermal veranstaltet er ganz ohne ersichtlichen Grund für alle Missionarskollegen ein Fest, bei dem sie für kurze Zeit unbeschwert feiern können.

Immer mehr aber fühlt Bernward Mankau sich im Laufe der Jahre wie ein Eindringling, der den Kongolesinnen und Kongolesen unter Abwertung ihrer ureigenen Kultur und Religion letztlich nichts Besseres anzubieten hat: „Ich hatte das Gefühl, ihre ursprünglichen Beziehungen zu Gott zu stören, so dass mir mein Einsatz im Kongo wie ein Blindflug ohne Sinn und ohne Ziel vorkam.“ Daraus zieht er schließlich die Konsequenz, den Kongo und seinen Orden zu verlassen, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen; er wurde Leiter des Bildungszentrum Murnau in Bayern.

Ich kann das nachvollziehen, habe aber auch den Eindruck, dass sich die Situation im Kongo geändert hat und unter den heutigen Möglichkeiten der afrikanischen Theologie, der Inkulturation und des Dialogs zwischen Christentum und afrikanischen Religionen ein anderer missionarischer Weg gangbar ist. (Marco Moerschbacher)

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