Lese-Tipp: Strengthening Christian Perspectives

Seit dem 10. Dezember 1948 gibt es sie offiziell: die Menschenrechte. Dennoch ist die Bewahrung von Menschenrechten weltweit heute immer noch keine Selbstverständlichkeit. Mit welchen Instrumenten können die Menschenrechte nicht nur verteidigt, sondern gestärkt werden? Welche Aufgabe und Rolle den Kirchen dabei zukommt, damit beschäftigt sich die Essaysammlung „Strengthening Christian Perspectives on Human Dignity and Human Rights“. Michael Biehl hat sie für uns gelesen.

Strengthening Christian Perspectives on Human Dignity and Human Rights ist als Download verfügbar. © Foto: Titelblatt | Strengthening Christian Perspectives on Human Dignity and Human Rights ist als Download verfügbar.

Gott hat jedem Menschen Würde verliehen, die niemandem genommen werden kann. Jede Person besitzt Würde und unveräußerliche Rechte, deren Legitimität von keiner Regierung abhängig, sondern von ihr sichergestellt werden muss. Diese zwei Sätze markieren die Linien eines Diskurses über Menschenrechte zwischen christlicher Begründung und Verständnis einerseits und säkularen Perspektiven andererseits, die in den Beiträgen der Essaysammlung „Strengthening Christian Perspectives on Human Dignity and Human Rights“ miteinander ins Gespräch gebracht werden.

Angesichts von tatsächlichen eklatanten und brutalen Verletzungen der Rechte von Menschen stellten sich die Beteiligten an dem Konsultationsprozess von Ökumenischem Rat der Kirchen (ÖRK), der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter anderem die Frage, mit welchen Instrumenten die Menschenrechte nicht nur verteidigt, sondern gestärkt werden können. Welche Aufgabe und Rolle den Kirchen dabei zukommt, wird aus biblischer Perspektive, konfessionellen Perspektiven und mit Fallstudien dargelegt. Eine abschließende Konferenz im April 2022 verfasste vor diesem Hintergrund eine Botschaft, deren Inhalt und abschließenden Handlungsaufrufe in die Beratungen auf der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates eingeflossen sind.

Es ist schon ein anspruchsvolles Lesepensum, sich durch die 31 Beiträge durchzuarbeiten. Sie sind keine leichte Kost, weder von der Ernsthaftigkeit des Themas, noch angesichts schmerzhafter Berichte über massive Menschenrechtsverletzungen oder der Besorgnis, mit der die Autor*innen weltweit eine Zunahme der Missachtung von Menschenrechten beobachten. Dies geschieht teilweise im Namen der Wahrung von kulturellen Identitäten, repressiven Regimen und auch von Religion, denn auch Kirchen finden sich nicht immer auf der Seite derer, die die Menschenrechte verteidigen.

Freiheit der Religion bedeutet nicht die Befreiung von Kritik

Teil 4 blickt auf einige Querschnittsthemen wie Schöpfungsverantwortung, Gerechtigkeit und Rassismus. Fallstudien zu massiven Verletzungen von Menschenrechten bilden den Teil 5, die vorzugsweise aus den Regionen der Vereinen Evangelischen Mission und ihrem Engagement für Menschenrechte stammen – Indonesien, den Philippinen, West Papua – sowie einen Beitrag aus Belarus.
Hilfreich und informativ sind auch die Anhänge. Neben der Menschenrechtserklärung haben die Herausgeber eine kommentierte Liste von Aufsätzen und Erklärungen erstellt, die die Weiterentwicklung der Diskussion von den individuellen über die sozialen und kulturellen Rechte bis zu Rechten der Natur wieder gibt. Den Abschluss bildet eine Tabelle mit Erklärungen des ÖRK zu Menschenrechten und Menschenwürde. Sowohl die Auswahl wie die Liste führen Beiträge auf, die online zugänglich sind.

Der ÖRK ist geprägt von dem Geist, Gewalt, Vernichtung und Hass zu bekämpfen, die der erste und zweite Weltkrieg über die ganze Welt gebracht haben. „Strengthening Christian Perspectives on Human Dignity and Human Rights“ ist daher sicherlich keine Lektüre für einen gemütlichen Abend, aber eine umfassende Bearbeitung eines wichtigen Themas, das sich durch die Geschichte der ökumenischen Bewegungen zieht, die mit dem ÖRK eine organisierte Form gefunden hat.

Herausgegeben wurde die Essaysammlung von Peter Prove, Jochen Motte, Sabine Dressler und Andar Parlindungan.

Michael Biehl

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