Weihnachtstraditionen weltweit

An vielen Orten der Welt wird Weihnachten gefeiert. Doch nicht überall gleich. Christ*innen aus China, Indien, Indonesien, Ghana und Kenia erzählen von „ihrem“ Weihnachten.

Weihnachten wird weltweit unterschiedlich gefeiert. © Foto: Jonathan Chng/unsplash | Weihnachten wird weltweit unterschiedlich gefeiert.

Mercy Rethna © Foto: privat | Mercy Rethna

Weihnachten in Indien – Tamil Nadu

„Hört der Engel, große Freud!“ – singen wir auf Tamil, wenn der Gottesdienst am 25.12. um 8:30 Uhr beginnt. Die ganze Kirche, einschließlich der Decken, ist dann mit frischen Blumen geschmückt und man kann sehen, dass alle mit ihren neuen Kleidern so schön aussehen wie diese Blumen! (In Indien tragen wir meistens neue Kleider für alle Feste und Anlässe.) Nach dem dreistündigen Gottesdienst treffen wir uns vor der Kirche und wünschen so vielen Menschen wie möglich „Frohe Weihnachten“. Leider gibt es bei uns nicht die Tradition, sich innerhalb der Familie gegenseitig zu beschenken, sondern wir verteilen stattdessen Süßigkeiten, Snacks und Essen an unsere Nachbarn und Freunde. Nach der Kirche kommen wir nach Hause, und mein Bruder und ich haben die Aufgabe, die Päckchen an unsere Nachbarn zu verteilen (bei denen es sich in der Regel um Menschen anderer Religionen handelt, die diese Tradition bei ihren Festen ebenfalls pflegen). Danach treffen sich unsere Familien im Haus der Großeltern, wo wir gemeinsam kochen, zu Mittag essen und den Tag verbringen. Als Kind habe ich mich immer auf diesen Tag gefreut, weil ich dann endlich alle meine Cousins und Cousinen (auch die aus anderen Städten/Bundesländern) treffen konnte, und ich habe immer schon die Spiele ausgesucht, die ich mit ihnen spielen wollte! Für mich ist Weihnachten die Zeit, die Glück und Gemeinsamkeit mit sich bringt, denn es bedeutet, dass Christus unter uns geboren ist.” Mercy Rethna.

V.L. Krosschhuanmawia © Foto: privat | V.L. Krosschhuanmawia

Weihnachten in Indien – Mizoram

Weihnachten ist für Christ*innen in Indien eine Zeit der Freude, des Glücks und des Teilens. Die Kirchengebäude, Straßen, Häuser, Geschäfte und Einkaufszentren sind mit bunten, glitzernden Lichterketten, Luftschlangen und Blumen geschmückt. Die christliche Jugendgemeinschaft organisiert in der Adventszeit Abende, an denen man von Haus zu Haus geht und Weihnachtslieder singt. Vor allem die Christ*innen in Mizoram begehen Heiligabend und den ersten Weihnachtstag mit Gottesdiensten und Singen in der Kirche. Am Tag nach Weihnachten organisiert die Kirche ein gemeinsames Singen für die Gemeinde mit getrennten Aufführungen für Kinder und Teenager. Die Weihnachtsfeier wird mit dem Weihnachtsessen der Gemeinde abgeschlossen, und alle Gemeindemitglieder genießen den Weihnachtsschmaus. V.L. Krosschhuanmawia.

David Tarus © Foto: Corinna Waltz/EMW | David Tarus

Weihnachten in Kenia

Weihnachten ist niemals eine Zeit für egoistischen Individualismus. Es ist ein gemeinschaftliches Ereignis. Wir treffen uns in Häusern, Kirchen, Städten und Dörfern, um das Wort zu hören und zu feiern. Das afrikanische Diktum: „Ich bin, weil wir sind“, ist wahr. Weihnachten bringt den afrikanischen Geist von „ubuntu“ (Gemeinschaft) zum Ausdruck. Es ist eine Freude für die ganze Gemeinschaft. Es spielt keine Rolle, ob man Christ ist oder nicht. Weihnachten ist für alle da. Kinder bekommen neue Kleidung. Die weniger Begünstigten bekommen eine Mahlzeit. Familien kommen zusammen, um zu feiern, gemeinsam zu essen und über die Ereignisse des vergangenen Jahres nachzudenken. Es ist eine Zeit der Heilung und des Verzeihens, eine Zeit sich gegenseitig zu lieben und zu halten. Weihnachten ist Freude für ein geschundenes Afrika. David Tarus.

Weihnachten in Indonesien

Mareike Bangun © Foto: privat | Mareike Bangun

Weihnachten erinnert mich immer an Weihnachtslieder, Gitarre spielen und die Bibel. Als ich ein Kind war, haben wir Weihnachten immer mit der Großfamilie gefeiert. Meine Tante und mein Onkel spielten Gitarre, und wir haben miteinander gesungen. Von daher kam meine Lust, selbst Gitarre spielen zu lernen. Als ich in der vierten Klasse war, bekam ich zu Weihnachten von meinen Eltern eine Bibel geschenkt. Damals habe ich angefangen, in der Bibel zu lesen. Ich markierte die Stellen, die mich interessierten und wo ich Fragen hatte. Ich habe dann Theologie studiert, um Antworten auf meine Fragen zu finden. Mareike Bangun.

Weihnachten in Ghana

Mark Kofi Aidoo © Foto: privat | Mark Kofi Aidoo

In Ghana ist Weihnachten ein freudiges Fest, bei dem sich die Familien treffen. Die Menschen reisen zu den Feiertagen in ihre Heimatorte, um gemeinsam zu essen und Spaß zu haben. Es ist eine Zeit, in der alle Kinder neue Kleider und Geschenke bekommen. Die Kinder eines Ortes kommen zusammen und feiern mit allem, was sie sammeln können. Ab dem 3. Adventssonntag bauen die Kinder Hütten aus Palmwedeln. Mit Papier entwerfen und basteln sie Weihnachtsschmuck und hängen ihn in der Hütte auf. Sie spielen, sie seien die kochenden Mütter und die Väter, die auf das Essen warten. Am Weihnachtstag gehen sie von Haus zu Haus. Die Geschenke, die sie bekommen, Kekse und Fanta, bringen sie in ihre Hütte und teilen sie dort. Für die Jugendlichen ist es ein seltenes Vergnügen, vom 25. Dezember bis zum 1. Januar am Karneval teilzunehmen. Dabei tragen die Menschen besondere Verkleidungen. Das ist ein großartiges Erlebnis, so dass die jungen Leute den Maskentänzern folgen. Es gibt Wettbewerbe zwischen den Maskengruppen, zwischen den verschiedenen Kostümierungen, zwischen den Gesängen zur Blasmusik, unter den Tänzen zu den lokalen Rhythmen. Die furchterregenden Masken erschrecken die Kinder, so dass die Erwachsenen die Kinder ermahnen, sich gut zu benehmen, da sie sonst verhaftet werden. Solche Kostümszenen hinterlassen bei vielen einen bleibenden Eindruck. Mark Kofi Aidoo.

Apfel mit den chinesischen Schriftzeichen für „Frohe Weihnachten“ © Foto: Yifan Lu | Apfel mit den chinesischen Schriftzeichen für „Frohe Weihnachten“

Weihnachten in China

Weihnachten ist in China kein offizieller Feiertag, aber auch Nichtchrist*innen feiern Weihnachten gerne, vor allem junge Menschen. Sie haben eine neue Tradition ins Leben gerufen, das Verschenken von Äpfeln. Das chinesische Wort für Apfel ist Ping Guo, das ähnlich ausgesprochen wird wie Ping An (Frieden). Die Händler gravieren dieses Wort, Ping An, und auch Frohe Weihnachten in die Äpfel. Deshalb ist es unter jungen Leuten sehr beliebt, sich am Heiligen Abend (auf Chinesisch: Ping An Ye, Nacht des Friedens) Äpfel als Symbol des Friedens zu schenken. Yifan Lu.


Zu den Personen

Dr. David Tarus ist Direktor der Vereinigung für christlich-theologische Ausbildung in Afrika (ACTEA), Nairobi, Kenia.

Mareike Bangun stammt aus Indonesien und ist derzeit Stipendiatin an der Missionsakademie in Hamburg.

Mark Kofi Aidoo stammt aus Ghana und ist derzeit Stipendiat an der Missionsakademie in Hamburg.

Mercy Rethna stammt aus Tamil Nadu in Indien und kam 2019 als Süd-Nord-Freiwillige des Leipziger Missionswerkes nach Deutschland. Heute arbeitet sie mit einem Master in IT als Webentwicklerin in Dresden.

V.L. Krosschhuanmawia stammt aus Mizoram in Indien und ist derzeit Stipendiat an der Missionsakademie in Hamburg.

Yifan Lu kommt aus China und ist derzeit Stipendiatin an der Missionsakademie in Hamburg.

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