Mission und Kolonialismus
Mission ist nicht gleich und auch keine andere Form von Kolonialismus, davon sind die EMW und ihre Mitglieder überzeugt. Aber es braucht eine kritische Aufarbeitung der Geschichte. Gemeinsam mit ihren internationalen Partner*innen stellen sich Kirchen und Missionswerke der kolonialen Vergangenheit.
Koloniales Erbe und kirchliche Verantwortung heute
Gerechte Beziehungen zwischen Kirchen und Gesellschaften setzen voraus, dass Geschichte kritisch betrachtet und unterschiedliche Erfahrungen ernst genommen werden. Das koloniale Erbe wirkt in vielen Bereichen bis heute fort – in kirchlichen Strukturen, in Formen des Wissens und Erinnerns sowie in internationalen Beziehungen. Eine dekoloniale Perspektive eröffnet die Möglichkeit, gewachsene Machtverhältnisse zu hinterfragen, Verantwortung zu übernehmen und Zusammenarbeit neu zu gestalten. Dabei geht es um einen gemeinsamen Prozess, der von gegenseitigem Respekt, Anerkennung, Teilhabe und dem Streben nach Gerechtigkeit geprägt ist.
Impulspapier: Dekolonisierung der Mission?
Wie kann die Geschichte von Mission und Kolonialismus kritisch aufgearbeitet und kirchliche Zusammenarbeit heute gerechter gestaltet werden? Das Impulspapier des Theologischen Ausschusses der EMW nimmt das koloniale Erbe der Missionswerke in den Blick und verbindet historische, theologische und praktische Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Erinnerungskultur, Restitution und Gerechtigkeit ebenso wie der Umgang mit Archiven und Sammlungen, globalem Lernen und gleichberechtigter Partizipation. Das Impulspapier gibt konkrete Anregungen und Empfehlungen für eine dekoloniale, ökumenische Mission und die Weiterentwicklung partnerschaftlicher Beziehungen.
Dekolonisierung beginnt im Kopf
Was hat die Bibel mit kolonialer Landnahme zu tun? Was ist eigentlich „Othering“? Was bedeutet es, Theologie zu dekolonisieren? Und was hat all das mit Mission zu tun? Claudia Jahnel spricht mit Host Tanja Stünckel über koloniale Denkstrukturen in Theologie und Gesellschaft, über die Kraft des „Delearning“, Blinde Flecken und die Notwendigkeit, eigene Narrative kritisch zu hinterfragen.
Mission: Dekolonisation
Dekolonisierung ist mehr als nur die Aufarbeitung einer belasteten Geschichte – sie ist ein lebendiger Prozess, der Gesellschaft, Kirchen und internationale Beziehungen tiefgreifend verändert. Unsere aktuelle Ausgabe beleuchtet die Herausforderungen und Chancen dieses Wandels.
Außerdem: Ecuador: Wenn Gewalt zum Alltag gehört – Nicaragua: Frontalangriff auf die Kirchen – Südafrika: Regenbogennation auf der Kippe
Balázs Ódor
„Die Evangelische Mission Weltweit steht für eine partnerschaftliche und dialogorientierte Zusammenarbeit von Kirchen und Werken in unterschiedlichen Kontexten. Ich sehe es als eine zentrale Aufgabe dieser Gemeinschaft, ihre internationalen Beziehungen und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe weiter zu stärken und gemeinsam mit den Mitglieds- und Partnerorganisationen Räume für konstruktiv-kritischen Austausch, bereichernde Lernerfahrungen und gemeinsames Handeln zu gestalten.“