Freddy Dutz und die Mission Nachhaltigkeit

Was sind Nachhaltigkeitsziele? Was hat Nachhaltigkeit mit Mission zu tun – und was können Einzelne überhaupt bewirken? Freddy Dutz spricht im EMW-Podcast „Zeit für Mission“ darüber, warum Nachhaltigkeit für sie eine gemeinsame Aufgabe ist und wie Mission und nachhaltiges Handeln zusammenhängen.

Freddy Dutz und die Mission Nachhaltigkeit – EMW-Podcast Zeit für Mission

Worum geht es?

Was bedeutet Nachhaltigkeit – und wer trägt Verantwortung dafür? Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen verbinden ökologische Fragen mit Themen wie Armut, Bildung, Gerechtigkeit und verantwortlichem Wirtschaften. Nachhaltigkeit wird damit zu einer gemeinsamen Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Auch für Kirchen und Missionswerke stellt sich die Frage, welchen Beitrag sie leisten können.

Warum ist das wichtig?

Nachhaltigkeit wird häufig zuerst mit Klimaschutz oder dem persönlichen Konsum verbunden. Die Agenda 2030 geht weiter: Sie verknüpft ökologische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung und nimmt unterschiedliche gesellschaftliche Akteur*innen in die Verantwortung.

Was bedeutet das für den eigenen Alltag – und wo stößt individuelles Handeln an Grenzen? Welche Verantwortung tragen Unternehmen? Und was verändert sich, wenn nachhaltige Entwicklung nicht mehr als Aufgabe einzelner Länder oder Menschen verstanden wird, sondern als gemeinsamer Prozess? Das Gespräch mit Freddy Dutz zeigt, wie weit der Begriff Nachhaltigkeit reicht und warum langfristige Veränderungen Zusammenarbeit brauchen.

Wer ist Freddy Dutz?

Freddy Dutz ist Journalistin und Nachhaltigkeitsberaterin. © Foto: EMW | Freddy Dutz ist Journalistin und Nachhaltigkeitsberaterin.

Freddy Dutz ist Journalistin und Nachhaltigkeitsberaterin. Mehr als drei Jahrzehnte arbeitete sie in der kirchlichen Publizistik und im Umfeld evangelischer Missionswerke. Bis 2021 war sie Pressereferentin der Evangelischen Mission Weltweit (EMW).

Heute berät Dutz Unternehmen zu Nachhaltigkeit. Mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen beschäftigt sie sich intensiv seit den Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum 2017 in Wittenberg. Dort nutzten kirchliche Werke die damals noch jungen Sustainable Development Goals, um ihre weltweite Arbeit einzuordnen.

Im Podcast spricht Freddy Dutz über:

  • die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen
  • ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit
  • die Verantwortung von Einzelnen und Unternehmen
  • Nachhaltigkeit als langfristigen Prozess
  • globale Verantwortung und die Agenda 2030



6 Fragen zu Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung

1. Was sind die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen?

Die Vereinten Nationen haben 2015 mit der Agenda 2030 insgesamt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung beschlossen. International werden sie als Sustainable Development Goals, kurz SDGs, bezeichnet. Sie behandeln unter anderem Armut und Hunger, Gesundheit, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz, nachhaltigen Konsum sowie Frieden und Gerechtigkeit.

Nachhaltigkeit wird darin nicht auf Umweltschutz beschränkt. Ökologische, soziale und wirtschaftliche Entwicklung werden zusammengedacht. Die Ziele richten sich zudem nicht allein an ärmere Länder. Nachhaltige Entwicklung ist eine Aufgabe für alle Staaten.

Keiner kann alleine dafür sorgen, dass wir diesen Übergang in eine, ich sage mal, bessere Zeit hinkriegen.

Das 17. Nachhaltigkeitsziel trägt den Titel „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“. Es macht deutlich, dass nachhaltige Entwicklung Zusammenarbeit braucht: zwischen Staaten ebenso wie mit Wirtschaft, Zivilgesellschaft und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen. Die Agenda 2030 verbindet damit konkrete Entwicklungsziele mit einem grundlegenden Prinzip: Nachhaltige Veränderungen lassen sich nicht von einzelnen Akteur*innen allein erreichen.

2. Warum ist Nachhaltigkeit mehr als Umweltschutz?

Nachhaltigkeit betrifft weit mehr als den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Sie fragt auch danach, wie Menschen leben und arbeiten, wie wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden und welche Folgen sie langfristig haben. Für Unternehmen können deshalb neben Energieverbrauch und Klimaschutz beispielsweise Arbeitsbedingungen, Lieferketten oder der Umgang mit Korruption eine Rolle spielen.

Diese 17 Ziele beschäftigen sich ja auch mit Dingen, die wir schon immer angehen. Also gegen Hunger, gegen Armut, dafür, dass Menschen sich gut und ausreichend ernähren.

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bringen solche unterschiedlichen Herausforderungen in einen gemeinsamen Zusammenhang. Nachhaltige Entwicklung bedeutet deshalb nicht allein, ökologische Schäden zu verringern. Sie zielt auf Lebens- und Wirtschaftsbedingungen, die auch langfristig tragfähig sind.

3. Kann persönliches Verhalten die Welt nachhaltiger machen?

Weniger Ressourcen verbrauchen, bewusster einkaufen oder anders mobil sein: Einzelne Menschen können durch ihr Verhalten zu Veränderungen beitragen. Nachhaltigkeitsprobleme lassen sich jedoch nicht allein durch persönliche Konsumentscheidungen lösen.

Viele Veränderungen setzen politische Rahmenbedingungen, Investitionen und Entscheidungen von Unternehmen voraus. Auch Infrastruktur lässt sich nicht individuell verändern. Wer beispielsweise häufiger die Bahn statt das Auto nutzen soll, ist auf ein entsprechendes Verkehrsangebot angewiesen.

Die Idee, ich muss jetzt mit meinem privaten Leben so agieren, dass ich persönlich die Welt rette, ist Hybris. Wir können das nur gemeinsam machen.

Individuelles Handeln wird dadurch nicht bedeutungslos. Es ist vielmehr Teil einer größeren gemeinsamen Verantwortung. Nachhaltiger Wandel entsteht dort, wo persönliches Verhalten, politische Entscheidungen, wirtschaftliches Handeln und gesellschaftliches Engagement zusammenwirken.

4. Welche Verantwortung haben Unternehmen für Nachhaltigkeit?

Unternehmen beeinflussen durch Investitionen, Produktion und Lieferketten, wie Ressourcen genutzt werden und unter welchen Bedingungen Waren und Dienstleistungen entstehen. Nachhaltigkeit betrifft deshalb nicht nur die Frage, wie viel Energie ein Betrieb verbraucht.

Eine wichtige Rolle spielt auch, wohin Geld fließt. Investitionen können wirtschaftliche Aktivitäten fördern, die Umwelt und Klima stark belasten – oder Technologien und Geschäftsmodelle unterstützen, die Schäden reduzieren und Ressourcen schonender nutzen.

Wir müssen dafür sorgen, dass Geld in Techniken, in Industrien, in Wirtschaften reinläuft, die möglichst wenig Schaden anrichten, wenn sie Schaden anrichten, den wieder reparieren.

Nachhaltiges Wirtschaften umfasst darüber hinaus soziale und unternehmerische Verantwortung. Dazu gehören beispielsweise Arbeitsbedingungen und Lieferketten ebenso wie Maßnahmen gegen Korruption und Geldwäsche. Nachhaltigkeit wird damit zu einer Frage, wie Unternehmen ihre gesamte wirtschaftliche Tätigkeit gestalten.

5. Warum ist Nachhaltigkeit ein Prozess und kein Projekt?

Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit. Einzelne Projekte können konkrete Verbesserungen anstoßen. Der langfristige Umgang mit Ressourcen, soziale Gerechtigkeit oder der Umbau von Wirtschaft und Infrastruktur lassen sich jedoch nicht innerhalb eines begrenzten Projektzeitraums abschließen.

Prozess, Prozess, nur Prozess. Alle Projekte sind deswegen zum Scheitern verurteilt, weil Menschen nicht in Projektzeiträumen denken, sondern in viel längerer Zeit.

Nachhaltigkeit verlangt deshalb, über einzelne Maßnahmen hinauszudenken. Entscheidend ist, ob Veränderungen langfristig in Strukturen, Entscheidungen und alltäglichen Routinen verankert werden. Projekte können dafür wichtige Impulse geben – nachhaltiger Wandel entsteht aber erst, wenn Entwicklungen über ihr Ende hinaus weitergeführt werden.

6. Wie unterscheidet sich die Agenda 2030 von früheren Vorstellungen von Entwicklung?

Entwicklung wurde lange vor allem aus der Perspektive wohlhabender Länder des Globalen Nordens betrachtet: Andere Länder galten als diejenigen, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung nachholen sollten. Die Agenda 2030 setzt einen anderen Akzent. Ihre Nachhaltigkeitsziele gelten für alle Staaten – auch für wohlhabende Länder. Auch Deutschland steht damit vor Entwicklungsaufgaben – etwa bei nachhaltiger Mobilität, beim Umgang mit Ressourcen oder beim Ausbau einer Kreislaufwirtschaft. Nachhaltige Entwicklung ist nicht länger nur etwas, das anderswo stattfinden soll.

Wir haben festgestellt: beispielsweise nachhaltiger Nahverkehr – da haben wir so was von Entwicklungsnachholbedarf.

Die Agenda 2030 verändert damit auch den Blick darauf, was „entwickelt“ bedeutet. Unterschiedliche Länder stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen, doch keines kann sich selbst als bereits vollständig entwickelt betrachten. Nachhaltige Entwicklung wird zu einer gemeinsamen weltweiten Aufgabe, bei der alle Gesellschaften Veränderungen gestalten müssen.

Die Antworten auf dieser Seite basieren auf dem Gespräch mit Freddy Dutz im EMW-Podcast „Zeit für Mission“. Die Aussagen wurden für die schriftliche Darstellung redaktionell gekürzt und sprachlich geglättet.



Über „Zeit für Mission“

Im Podcast „Zeit für Mission“ spricht Host Tanja Stünckel mit Menschen aus Kirche, Mission und Ökumene. Im Mittelpunkt stehen weltweite kirchliche Beziehungen sowie Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden, Glauben und gesellschaftlicher Verantwortung.

Moderation + Produktion: Tanja Stünckel
Gast: Freddy Dutz
Länge: 29 Minuten
Veröffentlichung: 29.01.2024
Podcast: Zeit für Mission – Evangelische Mission Weltweit

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