Schwarzes Gold: Wie Pflanzenkohle Indonesiens Böden rettet

Pflanzenkohle gilt als wahres Wundermittel, um Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und sogar zu steigern. Angeblich kannten sogar schon die Inkas diese Vorzüge von Kohle. Aber was ist Pflanzenkohle überhaupt? Was macht sie so besonders? Welche Bedeutung hat sie für die Landwirtschaft auf Sulawesi in Indonesien? Und was hat Mission mit all dem zu tun? Darüber spricht Hans Heinrich, Leiter und Initiator eines Projekts für Pflanzenkohle der Evangelischen Mission in Solidarität auf Sulawesi, Indonesien, mit Host Tanja Stünckel.

Hans Heinrich bei Zeit für Mission – Podcast der Evangelischen Mission Weltweit

Worum geht es?

Wie kann Pflanzenkohle ausgelaugte Böden wieder nutzbarer machen? In dieser Podcastfolge spricht Host Tanja Stünckel mit Hans Heinrich über ein Pflanzenkohle-Projekt auf Sulawesi in Indonesien. Im Mittelpunkt stehen die Wirkung und Herstellung von Pflanzenkohle, ihre Bedeutung für kleinbäuerliche Landwirtschaft und die Frage, wie sich Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssicherheit langfristig erhalten lassen.

Warum ist das wichtig?

Was können Reisspelzen, Kokosnussschalen und ein Stück altes Wellblech gegen ausgelaugte Böden ausrichten? Erstaunlich viel, wie das Pflanzenkohle-Projekt auf Sulawesi zeigt. Hans Heinrich erzählt im Podcast, wie aus der Suche nach einer einfachen und bezahlbaren Lösung ein Verfahren entstand, das Bäuer*innen selbst anwenden, weiterentwickeln und weitergeben können. Und er zeigt, warum es dabei um weit mehr geht als um bessere Böden.

Wer ist Hans Heinrich?

Hans Heinrich war viele Jahre Indonesienreferent der EMS und Projektleiter. © Foto: Privat | Hans Heinrich war viele Jahre Indonesienreferent der EMS und Projektleiter.

Hans Heinrich war viele Jahre Indonesienreferent bei der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS). Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand blieb er mit Menschen und Partner*innen in Indonesien verbunden.

Auf Sulawesi initiierte er ein Projekt zur Herstellung und Nutzung von Pflanzenkohle. Ausgangspunkt waren konkrete Probleme von Bäuer*innen, deren Böden nach jahrzehntelanger Bewirtschaftung immer weniger Ertrag brachten. Heinrich bildet Bäuer*innen als Multiplikator*innen aus, die ihr Wissen anschließend in ihren Dörfern weitergeben.

Im Podcast spricht Hans Heinrich über:

  • ausgelaugte und erodierende Böden auf Sulawesi
  • Herstellung und Wirkung von Pflanzenkohle
  • landwirtschaftliche Reststoffe als Ausgangsmaterial
  • kleinbäuerliche Landwirtschaft und Ernährungssicherheit
  • Wissenstransfer zwischen Bäuer*innen



5 Fragen zu Pflanzenkohle und Landwirtschaft auf Sulawesi

1. Was ist Pflanzenkohle?

Pflanzenkohle entsteht, wenn pflanzliches Material unter möglichst geringer Sauerstoffzufuhr stark erhitzt wird. Dieser Vorgang wird Pyrolyse genannt. Anders als bei einer vollständigen Verbrennung bleibt dabei ein kohlenstoffreiches Material zurück.

Die Forschung hat darauf hingewiesen, dass überall Pflanzenreste da sind, die man verwenden kann, um Pflanzenkohle zu produzieren.

Als Ausgangsstoffe können landwirtschaftliche Reststoffe verwendet werden. Auf Sulawesi sind das beispielsweise Reisspelzen, Kokosnussschalen sowie Reste aus dem Anbau von Kakao, Kaffee oder Mais.

2. Wie verbessert Pflanzenkohle den Boden?

Pflanzenkohle besitzt eine sehr große innere Oberfläche. Ihre poröse Struktur kann Wasser, Luft und – nach entsprechender Vorbereitung – Nährstoffe aufnehmen. Dadurch kann sie unterschiedliche Böden auf verschiedene Weise unterstützen.

In schweren, lehmigen Böden kann Pflanzenkohle zur Lockerung und besseren Durchlüftung beitragen. In sandigen Böden ist vor allem ihre Fähigkeit interessant, Wasser zu speichern. Feuchtigkeit bleibt dadurch länger im Boden verfügbar.

Sie kann den Boden lockern. Sie kann ihn wasserdurchlässig machen. Das ist sehr gut für den Boden. Aber zugleich hat sie die Fähigkeit, unter anderem Wasser zu speichern.

Pflanzenkohle ist dabei kein Dünger, der unmittelbar hohe Erträge erzeugt. Ihre Wirkung zielt vielmehr darauf, Eigenschaften des Bodens langfristig zu verbessern. Erste Effekte können sich deshalb erst nach längerer Zeit zeigen.

3. Wie wird Pflanzenkohle hergestellt und eingesetzt?

Für die Herstellung von Pflanzenkohle braucht es nicht zwangsläufig eine aufwendige technische Anlage. Im Projekt auf Sulawesi wurden zunächst alte Ölfässer verwendet. Weil diese nur begrenzt haltbar waren, entwickelten Bäuer*innen einfachere Verfahren mit Materialien, die vor Ort vorhanden sind.

Eine Möglichkeit nutzt ein aus altem Wellblech gefertigtes Rohr als Schlot. Darum werden trockene Kokosnussschalen entzündet und anschließend mit Reisspelzen bedeckt. Entscheidend ist, dass das Material glimmt, aber nicht vollständig verbrennt. Nach mehreren Stunden wird die entstandene Pflanzenkohle gründlich mit Wasser gelöscht.

Pflanzenkohle, wenn sie entstanden ist, kann nicht sofort eingesetzt werden, sondern muss zuerst geladen werden. Wie eine Batterie.

Bevor Pflanzenkohle in den Boden eingebracht wird, muss sie mit Wasser und Nährstoffen angereichert werden. Dafür kann sie beispielsweise mit Kompost vermischt werden. Ohne diesen Schritt würde die frische Kohle zunächst Wasser und Nährstoffe aus ihrer Umgebung aufnehmen und könnte damit vorübergehend sogar den gegenteiligen Effekt haben.

4. Warum ist Pflanzenkohle für Bäuer*innen auf Sulawesi interessant?

Viele Familien in der beschriebenen Region leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, ein großer Teil der Ernte dient unmittelbar der eigenen Ernährung. Sinkende Erträge betreffen deshalb direkt die Versorgung und wirtschaftliche Existenz der Familien.

Nach jahrzehntelanger Bewirtschaftung sind Böden teilweise ausgelaugt, ausgetrocknet oder verhärtet. In Hanglagen kommt Erosion hinzu: Starke Niederschläge können fruchtbaren Boden abtragen. Zugleich sind Regen- und Trockenzeiten weniger verlässlich, was die landwirtschaftliche Planung erschwert.

Sie wollten und möchten gerne als Bäuerinnen und Bauern weiterarbeiten, aber auf dem ausgelaugten und verhärteten Boden war das nicht mehr möglich.

Pflanzenkohle soll dazu beitragen, diese Böden langfristig nutzbar zu halten. Dabei geht es nicht nur um die nächste Ernte. Ein wichtiges Ziel ist, landwirtschaftliche Flächen so zu erhalten, dass auch die nächste Generation sie weiter bewirtschaften kann.

5. Wie verbreitet sich das Wissen über Pflanzenkohle?

Damit Pflanzenkohle für kleinbäuerliche Betriebe praktisch nutzbar ist, müssen Herstellung und Anwendung mit einfachen Mitteln möglich sein. Das Verfahren wurde deshalb gemeinsam mit Bäuer*innen weiterentwickelt. Vor Ort vorhandene Materialien und geringe Kosten spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Gleichzeitig setzt das Projekt auf Multiplikator*innen. Bäuer*innen werden geschult und geben anschließend ihre Erfahrungen und ihr Wissen an Nachbar*innen und andere Gruppen weiter.

Wenn eine Gruppe ausgebildet ist, dann machen sie das für sich weiter und lehren das ihre Nachbar*innen.

Über Chat-Gruppen bleiben die Beteiligten miteinander in Kontakt und können Fragen oder Probleme bei der Anwendung besprechen. Der Ansatz soll verhindern, dass das Wissen dauerhaft von externen Fachleuten abhängig bleibt.

Die Antworten auf dieser Seite basieren auf dem Gespräch mit Hans Heinrich im EMW-Podcast „Zeit für Mission“. Die Aussagen wurden für die schriftliche Darstellung redaktionell gekürzt und sprachlich geglättet.



Über „Zeit für Mission“

Im Podcast „Zeit für Mission“ spricht Host Tanja Stünckel mit Menschen aus Kirche, Mission und Ökumene. Im Mittelpunkt stehen weltweite kirchliche Beziehungen sowie Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden, Glauben und gesellschaftlicher Verantwortung.

Moderation + Produktion: Tanja Stünckel
Gast: Hans Heinrich
Länge: 29 Minuten
Veröffentlichung: 24.01.2025
Podcast: Zeit für Mission – Evangelische Mission Weltweit

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