Mehr als Worte: Warum inklusive Sprache wichtig ist
Die Art und Weise, wie wir sprechen und schreiben, hat direkten Einfluss auf die Welt, in der wir leben. Davon sind die Mitarbeitenden von Mission 21 überzeugt. Barbara Heer, Leiterin der Stabsstelle Frauen und Gender, gibt Einblicke in den von Mission 21 entwickelten Leitfaden und berichtet von den Auswirkungen, die inklusive Sprache haben kann.
© Foto: SP Basel-Stadt | Barbara Heer ist promovierte Ethnologin, engagiert sich politisch für Gendergerechtigkeit im Kanton Basel-Stadt und prägte die Entwicklung des Leitfadens für gerechte Sprache entscheidend mit.
Mission 21 hat kürzlich einen Leitfaden für inklusive Sprache veröffentlicht. Welchen Einfluss hat Sprache Ihrer Einschätzung nach darauf, die Welt zu einem inklusiveren Ort zu machen?
Sprache allein verändert zwar keine Realitäten, ist aber ein wichtiger Faktor, da sie die Realität beschreibt. Und indem sie die Realität beschreibt, beeinflusst sie auch, wie wir die Welt sehen und verstehen. Marginalisierung spiegelt sich oft in der Sprache wider, was bedeutet, dass manche Menschen durch die Art und Weise, wie wir sprechen und schreiben, unsichtbar gemacht werden. Wenn wir Ungleichheiten bekämpfen wollen, ist die Arbeit an unserer Sprache eines der Schlüsselelemente.
Der Leitfaden deckt viele verschiedene Formen von Diskriminierung ab. Wie haben Sie bei seiner Erarbeitung die Themenbereiche festgelegt, die darin berücksichtigt werden sollten?
Zunächst konzentrierten wir uns auf das Geschlecht, da Frauen eine der wichtigsten Interessengruppen der Organisation sind. Da Mission 21 im Rahmen von SDG16+ auf inklusive und gerechte Gesellschaften hinarbeitet, stellte sich ganz natürlich die Frage nach inklusiver Sprache.
Im Laufe unserer Arbeit wurde uns jedoch klar, dass Geschlecht nicht isoliert betrachtet werden kann. Fragen der Dekolonisierung, des Alters und der Behinderung wurden bald Teil der Diskussion. Wir wollten Grundsätze entwickeln, die das Bewusstsein für die Machtstrukturen schärfen, die Ungleichheiten zugrunde liegen – unabhängig vom jeweiligen Themenbereich. So wurde der Leitfaden intersektional ausgerichtet; intersektionale Leitprinzipien bilden seine Grundlage.
Welche Wirkung hat der Leitfaden bisher entfaltet?
Innerhalb der Organisation sind die Leitlinien zu einem Instrument der Organisationsentwicklung geworden. Sie dienen auch als Grundlage, um über Fragen von Verantwortung und Macht nachzudenken. Als Organisation, die sich der Dekolonisierung verpflichtet hat, ist es uns wichtig, bei unseren eigenen Haltungen und Praktiken anzusetzen.
Auf externer Ebene war die Einladung zum „Mission Diversity Meetup“ einer der Höhepunkte. Wir haben zudem positives Feedback von Menschen erhalten, die sich in den Bereichen Diversität und Gender engagieren oder beruflich damit befassen. Der Leitfaden ist in dieser Form einzigartig. Einige waren überrascht, dass eine solche Ressource von einer glaubensbasierten Organisation entwickelt wurde.
Welchen Rat haben Sie für andere Menschen, die sich in Kirche und Mission für Vielfalt einsetzen?
Geduld!
Wir haben mit einem Reflexionsprozess begonnen und nicht mit dem Ziel, eine Publikation zu erstellen. Erst später haben wir beschlossen, das Dokument zu veröffentlichen, weil die Diskussionen so wertvoll waren. Ein offener Prozess, der auch Rückmeldungen von Kolleg*innen und dem Vorstand einbezog, trug dazu bei, ehrliche Gespräche zu führen und ein breites Mitverantwortungsgefühl zu schaffen.
Gleichzeitig ist es wichtig, schwierigen Diskussionen nicht aus dem Weg zu gehen. Fragen wie „Warum müssen wir schon wieder über Sprache sprechen?“ können herausfordernd sein, aber es ist unerlässlich, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Nach unserer Erfahrung hat es einen echten Unterschied gemacht, sich die Zeit für diese Gespräche zu nehmen.
Das Interview führte Christiane Ehrengruber.
Leitfaden für gerechte Sprache
Der Leitfaden von Mission 21 richtet sich an Organisationen und Menschen, die kommunizieren und Verantwortung dafür übernehmen wollen, wie sie über Menschen, Gesellschaften und globale Zusammenhänge sprechen und schreiben. Er versteht sich als Einladung, Sprache bewusst und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.
Der Sprachleitfaden kann kostenlos bei Mission 21 heruntergeladen werden. Er ist derzeit nur auf Deutsch verfügbar.
In einem kurzen Video berichten Mitarbeitende von Mission 21 von ihren Erfahrungen mit dem Leitfaden.